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Taylor
Peter Taylor: The Old Forest and Other Stories
[dt.: Aussicht auf Regen, Karin Polz, Übs.] New York: Ballantine, 1996. Broschiert, 359 Seiten
 Taylor LinksTaylor Literatur

Dieser Kurzgeschichtenband enthält die folgenden 14 Short Stories:
Taylor The Gift of the Prodigal
Taylor The Old Forest
Promise of Rain
Bad Dreams
A Friend and Protector
A Walled Garden
Allegiance
The Little Cousins
Taylor A Long Fourth
Taylor Rain in the Heart
Taylor Porte Cochere
The Scoutmaster
Taylor Two Ladies in Retirement
The Death of a Kinsman
The Gift of the Prodigal
Schon der Titel der Story spielt auf den verlorenen Sohn Lukas 15,11-32 an. Der Vater als Ich-Erzähler hat seinem Sohn Ricky schon oft aus der Patsche geholfen: Autos, Frauen, Spiel, Pferde. Trotzdem hängt er an diesen „missratenen“ Sohn von all seinen Kindern am meisten.
TaylorThe Prodigal Son
The Old Forest (1979)
Kurz vor seiner Verheiratung innerhalb der oberen Klasse in Memphis, Tennesseee nimmt der junge Nat Ramsey seine Bekannte Lee Ann Deehart im Auto mit und baut in winterlichen Verhältnissen einen Unfall.  Lee Ann verschwindet in den nahen „Old Forest“, ein Stadtwald mit Eislaufteich und taucht nicht wieder auf. Die Suche der nächsten Tage nach Lee Ann bleibt zunächst erfolgslos, bis sich Nats Verlobte Caroline Braxley einschaltet.
Auf dem Kriminalstoryhintergrund entwickelt der Autor ein Porträt der Gesellschaft im Süden der USA. Eine gewisse Art von Mädchen – zu denen Lee Ann gehört – fasst Nat unter „demimonde“ zusammen. Die gutbürgerlichen Jugendlichen – der „debutante set“ – von Memphis haben mit diesen offen nichts zu tun. Trotzdem verkehren die Jugendlichen der Oberschicht mit jenen Mädchen und geben sich den Hauch des Verrufenen. Nat überlegt an einer Stelle in den aufregenden Tagen der Suche und Entscheidung (zieht Carolines Familie die Verlobung zurück?), ob er den alten, vorgezeichneten Pfad („Old Forest“) verläßt und sich Lee Ann anschließt. Die guten Familien Memphis greifen zu dem Manöver, das in allen Kreisen bekannt ist: in der Krise zusammenstehen und aussitzen.
Caroline entdeckt einerseits warum und wo sich Lee Ann versteckt und andrerseits, dass die Angehörigen zur Demimonde sich die Freiheit nehmen, die sie sich erwünscht und die das eigentlichen Leben, befreit von Zwängen ausmacht.
Taylor erzählt mit einem Abstand etlicher Jahrzehnte und verknüpft die Ereignisse jenes Winters 1937 mit einem späteren Lebenseinschnitt in seiner beruflichen Laufbahn.
Es lohnt sich einen vergleichenden Blick auf zwei Romane zu werfen.
Gerard Donovan nimmt in Julius Winsome [Winter in Maine] einen winterlich abgeschiedenen Todesfall zum Ausgangspunkt eines Thrillers.
• Die Krimiautorin Val McDermid webt um einen lange zurückliegenden Mond im Schnee einen sich hinziehenden Kaugummi-Plot. Ihr The Distant Echo [Echo einer Winternacht] ist daher nicht empfehlenswert.
Dagegen packt Taylor einen lebensprallen Kosmos in eine atmosphärische Short Story von 60 Seiten!
»Gone to Texas«
Peter Taylor benutzt – entgegen dem Urteil „Like poe's purloined letter Peter Taylor is hidden in plain sight“ (Walter Clemons in Newsweek) doch ein Symbol: Texas für Weite und Freiheit. Männern ist es vorbehalten sich frei zu machen, alles aufzugeben und sich "nach Texas zu begeben": „They used to write »Gone to Texas« on the front door and leave the house and the farm to be sold“ (S. 78). Man lese dazu Dunne 1997 (Taylor Literatur).
Taylor Gerard Donovan: Julius Winsome [Winter in Maine]
Taylor Val McDermid: The Distant Echo [Echo einer Winternacht]
TaylorDemimondeTaylorHalbwelt (frz. demimonde)
TaylorGone to Texas
Graham, Catherine Clark (1994): "Heritage and Heirs: The Old Forest". In: Southern Accents: The Fiction of Peter Taylor, S. 37-50.
A Long Fourth (1948)
In der heilen Familie des Arztes Wilson erwartet man den Sohn ("Son" gross geschrieben) mit einer Bekannten zu dessen Abschiedsfeier am 4. Juli. Er wird zum Militär eingezogen.
Das Ehepaar Wilson hat schwarze Bedienstete: Mattie und deren Neffen B.T. Mrs. Harriet Wilson hält nichts von B.T. Er ist ein Herumtreiber und stinkt. B.T. wird künftig auswärts arbeiten gehen. Als Mattie ihre Situation mit der von Mrs Wilson gleichsetzt: beider Zöglinge verlassen das Haus, ist Harriet erbost. Sie hält es für arg dreist ihren weißen Sohn mit dem "Hausl" B.T. auch nur zu vergleichen.
Ein Thema dieser Kurzgeschichte ist also der Rassismus wie er im Süden weit verbreitet war.
Die Besonderheit dieser rassistischen Haltung ist es, dass man den Schwarzen ein eigenständiges Leben eh nicht zutraut. Sie sind damit gut bedient, wenn sie von Weißen betreut werden, die ihnen sagen, wo es lang geht.
Taylor konfrontiert das konservative Arztehepaar und die beiden Tächter einerseits mit dem lockeren Verbund ihres Sohnes mit der modernen Ann andrerseits. Bei Tisch wird oft über die besseren Familien in Nashville geklatscht. Son und die emanzipierte Ann haben ganz andere Themen.
Sehr bemerkenswerte Behandlung des heiklen Themas Rassismus.
Graham, Catherine Clark (1994): "Women and Power: A Long Fourth". In: Southern Accents: The Fiction of Peter Taylor, S. 53-56.
Rain in the Heart (1943)
Ein Army Sergeant kommandiert seine Soldaten, ist dann in der Umkleide und in der Dusche den harten Witzen und Kamaradien der Soldaten ausgesetzt und fährt dann als Pendler nach Hause zu seiner Frau. Beim Umsteigen vom Bus in die Tram trifft er eine fremde Frau, die ihm einen Strauß "Sweet peas" (eine Art Magnolia) schenkt. Er bringt die Blumen seiner Frau mit. Das Paar verbringt einen normalen ereignislosen Abend. Am Ende regnet es.
Die Geschichte gewinnt ihre Spannung (vielleicht schon übertrieben) durch die Konfrontation
a) des rauhen Kasernenalltags und der heimischen Idylle
b) der Frau der Unterschicht am Trambahnstopp und der liebevollen Frau zu Hause
c) das Haus des Sergeanten mit dem historischen Boden, auf dem es steht: Schauplatz einer Schlacht im Bürgerkrieg.
Mir war diese allseits gelobte Geschichte zu subtil. Vielleicht habe ich auch nicht kapiert, worum es geht.
Porte Cochere (The New Yorker, July 16, 1949)
Ähnlich wie in „The Gift of the Prodigal“ behandelt „Porte Cohere“ (der Garagenport, ein offener Autounterstand), das Verhältnis Vater – Sohn. Hier weitet Peter Taylor das Thema auf drei Generationen aus. Zu Old Bens Geburtstag kommen seine Söhne Clifford und Ben jun. Er hat sie frei erzogen, im Gegensatz zur harten Erziehung durch seinen Vater, als Schläge noch Mittel der Erziehung waren. Trotzdem kommt es auch zwischen mit dieser jungen Generation zu Spannungen zwischen dem Vater und Sohn.
Two Ladies in Retirement
Zwei Ladies aus Nashville ziehen sich nach St. Louis zurück. Dort hat die eine – Miss Betty Pettigru – Verwandte.
Die Story stellt die Benachteiligung der Frau – sie kann sich nicht das was erlauben, was für Männer selbstverständlich ist – und die Macht der weißen Frau gegenüber der schwarzen (hier die Hausköchin Vennie) in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung.  Klasse und Hautfarbe entscheiden den psychologischen Kampf.
Graham, Catherine Clark (1994): "Women and Power: Two Ladies in Retirement". In: Southern Accents: The Fiction of Peter Taylor, S. 60-63.
Peter Taylor wird nachgerühmt er lasse in einer Kurzgeschichte locker einen Roman entstehen. Das ist leicht dahingesagt, stimmt aber oft. Andrerseits pflegt er keinen Minimalismus wie beispielsweise Ernest Hemingway oder Raymond Carver. Er lässt nicht ausschließlich die Handlung für sich sprechen, wie beispielsweise Alice Munro oder Grace Paley. Wer also etwas "Fleisch" und Befinden des jeweiligen Erzählers erträgt, liest atmospärisch hoch aufgeladene Stories über die Spannungen zwischen Menschen und gesellschaftlichen Gruppen.
Links
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Kurzgeschichte Ausgewählte Links zur Kurzgeschichte
Taylor Catherine Clark Graham: Southern Accents: The Fiction of Peter Taylor
Literatur
Dunne, Sara Lewis (1997): "»Gone to Texas« and the »Terra Incognita«: Crossing Borders in Peter Taylor's Late Fiction". Border States: Journal of the Kentucky-Tennessee American Studies Association 11. Tayloronline
Towers, Robert (1985): "A Master of the Minature Novel. The Old Forest and Other Stories. By Peter Taylor". The New York Times February 17. Tayloronline
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Taylor TaylorPeter Taylor: The Old Forest and Other Stories. New York: Ballantine, 1996. Broschiert, 359 Seiten Taylor
Peter Taylor: The Old Forest and Other Stories. Picador, 1996. Broschiert, 368 Seiten Taylor
Taylor TaylorPeter Taylor: Aussicht auf Regen. Stuttgart: Klett-Cotta, 1998. Karin Polz, Übs. Gebunden, 207 Seiten
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 15.1.2011