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Butterfly
Georg Gerry Tremmel: John Luther Long (1861-1927): „Madame Butterfly"
Das literarische Konzept der amerikanischen Kurzgeschichte im historischen Kontext

Berlin: Logos-Verl., 2007. 90 Seiten – Long LinksLong Literatur
Zunächst: das ist nicht das literarische Konzept der amerikanischen Kurzgeschichte im historischen Kontext – dafür wären nur 90 Seiten anmassend – sondern das Konzept der im Haupttitel genannten einen Kurzgeschichte im historischen Kontext.
Der Autor geht von Puccinis Operntext aus, legt aber das Schwergewicht auf die 1897 geschriebene und 1898 in The Century veröffentlichte Kurzgeschichte von John Luther Long: "Madame Butterfly" (Long Links).
Diese analysiert er akribisch nach
• literarischen Kriterien (Stil, Aufbau)
• juristischen Gegebenheiten
• psychologischen Gesichtspunkten.
Die knapp aber ausreichend belegte Entstehung von Longs Kurzgeschichte zeigt, dass die Suche nach einer realen Madama Butterfly vergebens ist.
Gut arbeitet Tremmel die Hintergründe und Motivation des Amerikaners Pinkerton heraus. Doch auch alle anderen Personen der Short-Story werden eingehend beleuchtet.
Die juristischen Sachverhalte bezüglich japanischem Recht, Tradition und US-amerikanischen Recht sind für Spezialisten sehr aufschlußreich.
Interpretatorisch überzeugte mich Tremmel, dass – entgegen meiner Annahme, wohl auf eine Aufmerksamkeitsschwäche zum Lektüreende hin zurückzuführen – der Freitod am Ende abgewendet wird. Das leere Haus im letzten Satz verdankt sich der Flucht von Madame Butterfly mit Kind und wohl auch der Angestellten Suzuki.
Dagegen folge ich Tremmel nicht darin, dass Pinkerton in der Hochzeitsnacht berechnend und vorsätzlich ein Kind zeugte. Die Begründung ist mir zu dünn.
1) Das Versprechen wiederzukommen, wenn die Rotkehlchen wieder nisten, gibt Pinkterton von vornherein ohne Absicht, es einzuhalten. Tatsächlich hält er es auch nicht ein. Es hat nichts mit einer geplanten Kindesabholung zu tun.
2) Wenn Pinkerton diese Absicht gehabt hätte, dann sehe ich auch keinen Grund, warum er bei der Wiederkehr nicht imstande sein soll das Kind zu holen (so Tremmel). Nach der Auskunft des Heiratsvermittlers Goro (die Tremmel zitiert) ist es sogar sein Recht das Kind abzuholen.
3) Pinkerton kann aber nach allem, was wir aus der Kurzgeschichte wissen, auch gar nicht wissen, ob er ein Kind von Madame Butterfly hat.
Für Tremmels Auffassung spricht (einzig) die Formulierung des Beginns des Telegramms, dass Adelaide an ihren Mann senden will: "Just saw the baby and his nurse. Can't we have him at once?" (S. 391). Das klingt, als ob dies zwischen Benjamin und Adelaide abgesprochen wäre. Das könnte aber auch erst nach ihrer beiden Ankunft und der Kenntnisnahme der Existenz des Sohns erfolgt sein.
Genau und lohnend zu lesen analysiert Tremmel die psychologischen Abhängigkeiten zwischen den Hauptpersonen. An vielen Details zeigt er die inhumane und auftrumpfende Art des US-Amerikaners Pinkerton. Die Mechanismen der Benützung der 17-jährigen Cho-Cho-San durch den amerikanischen Offizier werden gnadenlos bloßgelegt.
Vor allem der Opernfreund, der die Entstehungsgeschichte und die Hintergründe von Giacomo Puccinis "Madama Butterfly" kennenlernen will, sollte diese Ausarbeitung lesen. 
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Links
Long John Luther Long: "Madame Butterfly". The Century 55:3 (1898). S. 374-393
Long Links zur Kurzgeschichte Longs und der Oper Puccinis
Long Literatur zur Kurzgeschichte Longs und der Oper Puccinis
ButterflyLogos Verlag, Berlin 
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tremmelButterfly Georg Gerry Tremmel: John Luther Long (1861-1927): „Madame Butterfly". Das literarische Konzept der amerikanischen Kurzgeschichte im historischen Kontext. Berlin: Logos-Verl., 2007. 90 Seiten long
Henning Mehnert, Hg.: Giacomo Puccini: Madama Butterfly /Madame Butterfly.  Giuseppe Giacosa, Luigi Illica. Ditzingen: Reclam, 2006. Broschiert, 127 Seiten. Italienisch / deutsch Butterfly
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