Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Christie
Agatha Christie: Miss Marple. The Complete Short Stories: Over 50 Stories
London: Harper, 2008. Taschenbuch, 694 Seiten – Agatha LinksAgatha Literatur
Eine brauchbare chronologische Liste (oder irgendwie anders geordnet) der Kurzgeschichten von Agatha Christie fand ich im Web nicht. Am besten ist die "Bibliografie: Kurzgeschichten" (siehe Agatha Links), die sich aber auf in Deutschland erschienene Bücher beschränkt.
Alle listen nur die Short Story Collections. Selbst für die Sammlung fand ich keine Liste im Web.
Im Anhang jeder der drei Complete Short Stories von Agatha Christie (die anderen zwei siehe unter Agatha Links) ist eine ausführlich chronologische Tabelle.
Hier daher nur Anmerkungen zu den Stories, die ich gelesen habe und die bemerkenswert sind.
The Witness for the Prosecution, dt. Zeugin der Anklage
Aus dieser kurzen Erzählung mit mehr als einer unerwarteten Wendung machte 1957 Billy Wilder den grossartigen Film "Witness for the Prosecution" ("Zeugin der Anklage") mit Tyrone Power, Marlene Dietrich und Charles Laughton. Ohne etwas zu verraten nur diesen bemerkenswerten Satz aus der Story: "Women were the devil when they got their knife into you". Das kann man kaum bestreiten. Gilt es für Mäner nicht?
"The Witness for the Prosecution" erschien erstmals am 31. Januar 1925 in den USA in Flynn's Weekly unter dem Titel "Traitor Hands" und dann 1933 in GB im Sammelband Hound of  Death.
"The Witness for the Prosecution": Christieagathachristie.comChristieWikipedia
ChristieZeugin der Anklage, Film
Wireless
Die vermögende Mrs Harter wird vom Neffen Charles Ridgeway umsorgt. Als ihr der Arzt einen extrem sensiblen Herz-Kreislauf bescheinigt, kauft ihr Charles ein Radio ("Wireless") und sie wird Opfer einer Attacke. Doch es läuft anders als es sich Charles (Ridgeway = way to get rich) ausgedacht hat.
"Wireless" wurde 1925 geschrieben. Es dürfte die erste Story sein, in der das Radio gezielt als Mordinstrument eingesetzt wird. Der Text läßt einiges im Dunkeln und wird daher auch als "übernatürlich" eingestuft. Ich las ihn als recht natürlichen Mordanschlag des finanziell klammen Neffen.
Erstdruck 1933 in: The Hound of Death and Other Stories (UK); in den USA 1948 unter dem Titel "Where There’s a Will" in Witness for the Prosecution and Other Stories. Die Story wurde 1949 dramatisiert und 1949 mit James und Pamela Mason in der Reihe "American Radio Drama Series" im CBS Radio gesendet.
The Fourth Man, dt. Der vierte Mann
In einem Zugabteil unterhalten sich drei Männer – die als Rechtsanwalt, Pfarrer und Arzt – eine repräsentatative Zusammenstellung sind: die Kirche, das Gesetz und die Medizin, über den merkwürdigen Fall des Mädchens Felicie Bault. In ihr hausten 4 Persönlichkeiten. Eines Tages wurde sie straguliert aufgefunden. Es stellt sich die Frage nach Trennung von Körper und Geist. Oder gibt es mit der Seele eine Dreiteilung?
Die Story erschien erstmal 1925 und die Psychoanalyse und Hypnose waren neu und modern.
Christie verleiht ihrer Geschichte einen weiteren mystifizierenden Drall, da der vierte Mann im Abteil ein guter Bekannter jener Felicie war. Er erzählte ihre Geschichte und die damit verbundene von Annette Ravelli. Er endet mit der Frage: "Tell me, if your find a burglar in your house what do you do? Shoot him, do you not?" (S. 198)
Am Ende bleibt vieles offen und der vierte Mann verschwindet grusslos. Das ergibt einige Hinweise auf den mysteriösen Tod der Felicie. Seine letzte Frage und der Titel der Kurzgeschichte legen es nahe im vierten Mann den Stranguleur zu vermuten.
The Fourth Man: Christieagathachristie.com – ChristieWikipedia
The Last Séance, dt. Die letzte Sitzung
Wenn es in Geisterbeschwörungen zur Materialisation kommt, geht das auf Kosten des Mediums. Deshalb will Raoul, dass seine künftige Gattin nur noch einmal diese an die Substanz gehende Prozedur durchführt.
Christie vermag in dieser einfach gestrickten Story die Spannung geschickt zu steigern.
Erstdruck 1926 in Ghost Stories (unter dem Titel: "The Woman Who Stole a Ghost"?); in den USA 1927 unter dem Titel "The Stolen Ghost" in The Sovereign Magazine.
TV-Film 1986, Regie: June Wyndham-Davies

The Last Seance: Christieagathachristie.com
The Tuesday Night Club, dt. Der Dienstagabend-Club
In dieser, zuerst im Dezember 1927 erschienen Story genießt Miss Marple ihren allerersten Auftritt. Sechs Leute sind im genau beschriebenen Salon von Raymond West versammelt. Der Autor West ist der Neffe seiner ebenfalls anwesenden Tante Jane Marple. Die illustre Gesellschaft vereinbart sich gegenseitig mysteriöse Geschichten zu erzählen, ganz im Geiste von Tausend-und-einer-Nacht oder Wilhelm Hauffs Die Karawane (Agatha Links), als Dienstagabend-Club.
Der Fall ist zwar typisch Agatha Christie (mysteriöse Vergiftung), aber nicht so interessant wie das Setting und die grandiose Einführung der Person Miss Marple.
Der vereinbarte Dienstagabend-Club soll aus den fünf Anwesenden bestehen, meinst Joyce Lemprière, der Künstler. Fünf? Da meldet sich die übersehene Jane Marple zu Wort. Joyce entschuldigt sich: sie konnte nicht damit rechnen, dass Miss Marple mitmachen will (S. 306). Dabei ist sie es, die in köstlicher Lehnstuhl-Untersuchung den Fall aufklärt, indem sie scheinbar winzigen Indizien die richtige Bedeutung beimisst.
In ihrer später typischen Manier streut Christie eine ihrer kleinen Bemerkungen ein, die gerne überlesen werden. Deshalb sei sie hier vermerkt. Rechstanwalt Petherick: "Imagination is a very dangerous thing, as we lawyers know only too well. To be able to sift evidence impartially, to take the facts and look at them as facts – that seems to me the only logical method of arriving at the truth" (S. 306).
The Idol House of Astarte, dt. Der Tempel der Astarte
Der Mord wird von Miss Marple geklärt. Gute Mischung aus Übernatürlichem und Handfestem.
"The Idol House of Astarte" erschien erstmals im Januar 1928 im Royal Magazine und in den USA im Juni 1928 als "The Solving Six and the Evil Hour" im Detective Story Magazine.
The Idol of Astarte: Christieagathachristie.comChristieWikipedia
The Bloodstained Pavement
In Cornwall, England, treibt ein Gangsterpaar sein Unwesen. Joyce, eine Malerin, beobachtet es, bemerkt die Blutspuren auf dem Gehsteig und ist ratlos. Doch Miss Marple – der Joyce in einer späteren Gesprächsrunde alles erzählt – klärt auf.
Eine gut ausgedachte Geschichte, die nicht nur an Christies Geschichten "Triangle at Rhodes" und "Evil Under the Sun" erinnert, sondern auch an Alfred Hitchcock: "Aus dem Reich der Toten" (1958). Das Drehbuch für Hitchcocks Film basiert auf dem Roman Vertigo (Aus dem Reich der Toten [D’Entre les morts]) von Pierre Boileau und Thomas Narcejac.
"The Bloodstained Pavement" erschien im März 1928 im Royal Magazine, in den USA im Juni 1928 als "Drip! Drip!" im Detective Story Magazine. Ähnlichkeit mit "Triangle at Rhodes" und "Evil Under the Sun".
ChristieAgatha Christie Reading ChallengeChristieThe Thirteen Problems
The Affair at the Bungalow, dt. Die seltsame Angelegenheit mit dem Bungalow
In einer illustren, Agatha-Christie typischen gesellschaft erzählt Jane Helier von einem Einbruch in einen Bungalow. Was witzig beginnt, klingt tragisch und erhält eine erlösende Schlusswendung. Agatha Christie zückt viele ihrer literarischen Waffen und gibt der Geschichte doch einen eigenen Dreh; was heißt einen, mehrere. Miss Jane Marple in Hochform.
Besondere Erwähnung: Jane Helier spielt in "Smith", einem Stück von William Somerset Maugham (Agatha Links) von 1910 (S. 490) mit.
The Affair at the Bungalow: Christieagathachristie.com
Death by Drowning, dt. Der Fall von St. Mary Mead
Eine typische Miss Marple Geschichte. Sie hat einen schweren Verdacht, muss aber selbst ermitteln, da ihre Belege für die Polizei zu schwach sind. Dabei macht sie bemerkenswerte Ausführungen über Wissen, so bemerkenswert, dass die Passage unter den Agatha Christie-Zitaten (siehe Agatha Links) zu finden ist.
"Death by Drowning" erschien erstmals im November 1931 in Nash's Pall Mall.
"Death by Drowning": Christieagathachristie.comChristieWikipedia
The Hound of Death, dt. Der Hund des Todes
Eine belgische Nonne lebt bescheiden zurückgezogen in England. Sie soll übernatürliche Kräfte haben. Für Liebhaber okkulter Stories ist "The Hound of Death" ein Fest, mich sprach die Geschichte nur wenig an. Immerhin sieht es die Nonne so: "The things we call supernatural is only the natural of which the laws are not yet understood". Für diese Feststellung sollte mir die Story eigentlich gefallen.
"The Hound of Death" erschien erstmals 1933 in der Sammlung The Hound of Death and Other Stories.
"The Hound of Death": Christieagathachristie.comChristieWikipedia
The Lamp, dt. Die Lampe
Das Haus Nr. 19 wird verkauft und hat – wie könnte es anders sein - einen geheimnisvollen Fluch auf sich. Wie in "The Hound of Death" geht's auch hier okkult zu, doch der Twist am Ende trägt. Darum: hohes Lob für diese Geschichte.
"The Lamp" erschien erstmals 1933 in der Sammlung The Hound of Death and Other Stories.
"The Lamp": Christieagathachristie.comChristieWikipedia
The Case of the Perfect Maid, oder: The Perfect Maid, The Maid Who Disappeared, dt. Die Perle
Einer Hausangestellten wird gekündigt (und dazu Miss Marple eingeschalten), die Neue verschwindet nach wenigen Wochen. Mit ihr verschwinden Juwelen und Bargeld. Die Lösung ist typisch Agatha Christie aber doch überraschend.
Die Erzählung wird durch eine sprechakt-philosophische Überlegung eingeleitet:
"»Oh, if you please, madam, could I speak to you a moment?«
It might be thought that this request was in the nature of an absurdity, since Edna, Miss Marple's little maid, was actually speaking to her mistress at the moment."
"The Case of the Perfect Maid" erschien erstmals im April 1942 in Strand Magazine.
"The Case of the Perfect Maid": Christieagathachristie.comChristieWikipedia
The Dressmaker's Doll, dt. Die Puppe der Schneiderin
Obwohl dies eine von Christies okkulten Stories ist (und die mir eher weniger behagen), fand ich "The Dressmaker's Doll" grossartig. Zum einen thematisiert hier die Autorin schon sehr früh (1958), die Vergesslichkeit, genauer: den Verlust des Kurzzeitgedächtnisses, und dies durchaus witzig. Dazu erschien 2009 die exzellente Short Story von Jane Rogers: "Hitting Trees With Sticks". Zum anderen erinnerte mich "The Dressmaker's Doll" an Melvilles Bartleby the Scribener.
"The Dressmaker's Doll" erschien erstmals im Dezember 1958 in Woman’s Journal.
Agatha Jane Rogers: "Hitting Trees With Sticks"Agatha Herman Melville: Bartleby, the Scrivener
"The Dressmaker's Doll": Christieagathachristie.comChristieWikipedia 1ChristieWikipedia 2

Links
ChristieHarperCollins
Agatha Agatha Christie
ChristieBibliografie: Kurzgeschichten
ChristieMiss Marple
ChristieSuggested Reading Order for Christie’s Miss Marple novels and short stories, (pdf) Krimis
Agatha Agatha Christie: Detectives and Young Adventurers. The Complete Short Stories: Over 50 Stories
Agatha Agatha Christie: Hercule Poirot. The Complete Short Stories: Over 50 Stories
Kurzgeschichte Kurzgeschichtensammlungen und Besprechungen
Kurzgeschichte Ausgewählte Links zur Kurzgeschichte
Agatha Zitate von Agatha Christie
Agatha Wilhelm Hauff
Agatha William Somerset Maugham
Literatur
Bei Amazon nachschauen   Bei Amazon nachschauen
Marple ChristieAgatha Christie: Miss Marple. The Complete Short Stories: Over 50 Stories. London: Harper, 2008. Taschenbuch, 694 Seiten Christie
Agatha Christie: Miss Marples Fälle: Die kompletten Kriminalgeschichten. Frankfurt: Fischer, 2006. Broschiert, 382 Seiten Christie
Christie Christie Agatha Christie: Miss Marple: The Complete Short Stories. Berkley Trade 1986. Taschenbuch, 352 Seiten Santangelo
Elena Santangelo: Dame Agatha's Shorts. An Agatha Christie Short Story Companion. Bella Rosa, 2009. Taschenbuch, 160 Seiten Christie
Christie Anfang

Christie
Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 11.2.2010