Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Doyle
Sir Arthur Conan Doyle: The Lost World & Other Stories
Ware, England: Wordsworth, 1995. Broschiert, 461 Seiten – Sir Arthur Conan LinksSir Arthur Conan Literatur
Neben Sherlock Holmes schuf  Arthur Conan Doyle mit Professor George Edward Challenger eine weitere eigentümliche Romanfigur. Sie tritt in einigen seiner Science-Fiction Erzählungen auf. Der hier besprochene Sammelband enthält:
The Lost World (1912)
The Poison Belt (1913)
The Land of Mist (1926)
The Disintegration Machine (1927)
When The World Screamed (1928)
The Lost World
Aus meiner Jugend blieben mir einige Abenteurerbücher im Gedächtnis. Bei Karl May scheiterte ein später Wiederleseversuch. Noch enttäuschter war ich mit der Bomba-Serie. Dabei handelte es sich um einen Doppelgänger zum berühmten Tarzan, der in einer Serie von Büchern von Roy Rockwood auftrat. Diese Bände wurden in der Katholischen Pfarrbücherei geführt, waren aber meist vergriffen. So begehrt waren sie in der Mitte des 20. Jhdts. Warum die Bände später im Druck vergriffen waren, erkannte ich beim Wiederlesen: Roy Rockwood: Bomba bei den Pygmäen ist doch zu einfach gestrickt. Dagegen wären die Abenteuerromane von Herbert Kranz einen erneuten Versuch wert; sie wurden jedenfalls neu aufgelegt. Das hier zu besprechende The Lost World ist aber mehr mit Jules Verne vergleichbar.
In Grossbritannien tauchen Indizien dafür auf, dass sich in Südamerika in einer abgeschotteten Gegend urweltliche Tiere erhalten haben. Der Journalist Edward D. Malone will es seiner angebeteten Gladys Hungerton etwas beweisen, deshalb schließt er veranlasst er mit Professor George Edward Challenger und anderen wissenschaftlichen Kapazitäten eine Expedition dorthin. Im Amazonasgebiet entdecken sie tatsächlich ein unzugängliches riesiges Plateau. Sie verschaffen sich einen trickreichen Zugang, werden aber des Rückwegs abgeschnitten. Die Abenteuerlichkeit des Unternehmens steigert sich. Auf dem Plateau leben nicht nur die vom Professor vermuteten Urwelttiere sondern auch evolutionäre Vorfahren der Menschen in zwei Arten – eine davon der ape man, die sich bekämpfen. Die Expetitionsteilnehmer werden in zahlreiche Kämpfe verstrickt.
Hintergrund des wissenschaftlichen Interesse an der Unternehmung sind unterschiedliche Auffassungen von August Weismann und Charles Darwin. Weismann war für Ernst Mayr der bedeutendste Evolutionstheoretiker des 19. Jahrhunderts nach Charles Darwin.
Während Jules Vernes SF-Romane sehr visionär grundiert sind, verwertet Doyle den in seiner Zeit (The Lost World erschien 1912) fortdauernden Konflikt um die Evolutionstheorie. Doyle beschreibt fiktional, was Wissenschaftler auf Galapagos und Madagaskar entdeckten: endemische Arten, die sich völlig von den Arten auf dem Festland fortentwickelt haben. Das ist durch die Evolution gut erklärbar, durch andere Theorien kaum.
Für den Regenwald am Amazonas bringt Doyle einen anschaulichen Vergleich: er würde – nach Europa verlegt – von Schottland bis Konstantinopel reichen (S. 45). Ob der Vergleich stimmt und auch heute noch zutrifft habe ich nicht überprüft.
Wieder zuhause wird den Wissenschaftlern kaum Glauben geschenkt: zu bizarr ist ihre Geschichte. Challenger und Lord John, ein weiterer Teilnehmer, hatte es richtig eingeschätzt: in England wird man sie als Lügner einschätzen. Lord John resignierte: „There's many a man who never teills his adventures, for he can't hope to be believed” (S. 89).
Diesen Kurzroman kann ein Abenteuerliebhaber auch heute noch mit Vergnügen lesen.
Interesse an evolutionären Fragen hilft.
When the World Screamed
Professor George Edward Challenger hat zwei zündende Ideen:
  1. die Erde ist (wie auch die anderen Planeten) ein Lebewesen eigener Art,
  2. diese These kann man einem klärenden Test unterwerfen.
Dazu verpflichtet er den Ingenieur Peerless Jones und los geht es. Das Experiment belegt die These, doch es kommt zur Katastrophe.
Erst Mitte der 1960er-Jahre wurde von der Mikrobiologin Lynn Margulis und dem Chemiker James Lovelock eine abgeschwächte These – die sogenannte Gaia-Hypothese – entwickelt: die Erde und ihre Biosphäre kann wie ein Lebewesen betrachtet werden. Challengers These war: die Erde ist ein Lebewesen und müßte auf einen ausgeklügelten Test entsprechend reagieren.
Während Challenger mit seiner Erde = Lebewesen-These seiner Zeit voraus ist, hinkt er durch sein Festhalten am Äther (der den Planeten-Lebewesen als Nahrung dient) seiner Zeit hinterher. Mit Albert Einsteins Speziellen Relativitätstheorie wurde die Äthertheorie um 1910 ad acta gelegt. „When the World Screamed” wurde 1928 zum ersten Mal veröffentlicht.
Mehrere Ideen des Autors Sir Arthur Conan Doyle, die seiner Kurzgeschichte „When the World Screamed” unterliegen sind jedoch bemerkenswert:
  • der Wissenschaftler Challenger stellt nicht nur eine These auf, sondern ersinnt ein Experiment um sie zu prüfen,
  • Challenger weist ökonomische Vorbehalte zurück. Die Wissenschaft sucht Wissen und keinen Nutzen.
  • im übertragenen Sinn überlebte die Idee der Erde als Lebewesen, die aufschreit ob der Belastung, die wir ihr zumuten. So gesehen ist „When the World Screamed” eine ökologische Geschichte, die nur wenige Vorgänger (z.B. Wilhelm Raabe: „Pfisters Mühle. Ein Sommerferienheft”, 1884) hat.

Links
DoyleSir Arthur Conan Doyle Literary Estate
DoyleThe Lost World (Conan Doyle novel) – Wikipedia
DoyleSummary & Reviews
DoyleSir Arthur Conan Doyle Bibliography
DoyleÄther
DoyleGaia-Hypothese
DoyleMartin Griffiths: Not so mad, bad and dangerous. The dawn of the modern scientist in literature. 14 June 2009
Doyle Wilhelm Raabe: „Pfisters Mühle. Ein Sommerferienheft”
Doyle Roy Rockwood: Bomba bei den Pygmäen
DoyleAugust Weismann – Wikipedia
„When the World Screamed” – Wikipedia
„When the World Screamed” Text online: Doyle1Doyle2Doyle3
Doyle„When the World Screamed” Book Review
Literatur
Ingrid-Charlotte Wolter: „Science as deconstruction of natural identity: Arthur Conan Doyle's »When the World Screamed« and »Margaret Atwood's Oryx and Crak«”. In: Laurenz Volkmann, Nancy Grimm, Ines Detmers, Katrin Thomson, Hg.: Local Natures, Global Resposibilities: Ecocritical Perspectives on the New English Literatures. S. 257-272
Bei Amazon nachschauen   Bei Amazon nachschauen
Doyle DoyleSir Arthur Conan Doyle: The Lost World & Other Stories. Ware, England: Wordsworth, 1995. Broschiert, 461 Seiten Doyle
Sir Arthur Conan Doyle: The Lost World and Other Thrilling Tales. London: Penguin, 2001. Philip Gooden, Hg. Taschenbuch, 384 Seiten Doyle
Volkmann Doyle Laurenz Volkmann, Nancy Grimm, Ines Detmers, Katrin Thomson, Hg.: Local Natures, Global Resposibilities: Ecocritical Perspectives on the New English Literatures. Amsterdam, New York: Rodopi, 2010. Gebundene Ausgabe: 390 Seiten  
Doyle Anfang

Doyle
Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 18.2.2013