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Saki
H. H. Munro aka Saki: The Complete Short Stories
London: Penguin, 2000. Broschiert, 563 Seiten – Saki LinksSaki Literatur
Hector Hugh Munro (18. Dezember 1870, Akyab, Myanmar – 13 November 1916, Frankreich) ist bekannt unter seinem Autorennamen Saki.
Will Self über Sakis Kurzgeschichten: „Saki's stories are highly relevant to any society in which convention is confused with morality, and all societies confuse convention with morality, so he'll always be relevant.”
Sakis nur wenige Seiten lange Kurzgeschichten bringen vieles aus der britischen Gesellschaft (der mittleren und höheren Schichten)  seiner Zeit (etwa 1900 bis 1916) auf den Punkt. Die Konventionen entlarvt er als Fassade und gibt sie der Lächerlichkeit preis. Oft baut er exotische Elemente ein, die bis ins Surreale gehen. Der Leser sollte auch manche brutale Momente aushalten können.
Kurzgeschichtenverzeichnis
The Boar-Pig
Sredni Vashtar
The Hounds of Fate
The Occasional Garden
The Open Window
The Reticence of Lady Anne
The Reticence of Lady Anne
Egbert möchte sich mit seiner Frau Lady Anne versöhnen. Einiges deutet daraufhin, dass diese Ehe nicht dem damaligen Ideal entsprach, sondern dass Lady Anne bestimmt: „the question was how far Lady Anne was in a mood to renew or forgo hostilities”. Egbert ist zu weitgehenden Zugeständnissen bereit:
„I daresay the fault has partly been on my side,” continued Egbert with evaporating cheerfulness. “After all, I’m only human, you know. You seem to forget that I’m only human.”
Die oft widersprechende Lady Anne erweist sich an diesem Nachmittag im Dezember als besonders schweigsam.
Die Perserkatze des Ehepaars wird Don Tarquinio genannt, siehe dazu den Namen des Ebers in "The Boar-Pig". Zu den Gewohnheiten des Paars an späten Herbst_ und Winternachmittagen gehört, die Bemerkung über ein „dim religious light”. Sie verweist auf Zeilen im Gedicht „Il Penseroso” von John Milton:
„And storied windows richly dight,
Casting a dim religious light.”
Zumindest in Kunstfragen haben Egbert und Lady Anne ähnlichen Geschmack. Sie bevorzugen die Oper "The Yeomen of the Guard" (Gilbert und Sullivan, 1888) gegenüber "Iphigénie en Tauride" (Christoph Willibald Gluck).
SakiNarrated and produced by Julie Hoverson, mp3 Download
The Reticence of Lady Anne: Text online Saki1Saki2

Sredni Vashtar
SakiSredni Vashtar (Wikipedia)
Sredni Vashtar: Text online: Saki1Saki2Saki3

The Hounds of Fate
„In the fading light of a close dull autumn afternoon Martin Stoner plodded his way along muddy lanes and rut-seamed cart tracks that led he knew not exactly whither.“ Die Story beginnt grossartig. Das Bild wird im zweiten Satz mit grausigen Andeutungen ergänzt: „Somewhere in front of him, he fancied, lay the sea, and towards the sea his footsteps seemed persistently turning; why he was struggling wearily forward to that goal he could scarcely have explained, unless he was possessed by the same instinct that turns a hard-pressed stag cliffward in its last extremity.“ Martin Stoner, der Protagonist, wird vom Meer, genauer den Klippen am Meer, angezogen. Und im dritten Satz wird das Grauen und der Schrecken verdeutlicht: „In his case the hounds of Fate were certainly pressing him with unrelenting insistence; hunger, fatigue, and despairing hopelessness had numbed his brain, and he could scarcely summon sufficient energy to wonder what underlying impulse was driving him onward.“
In nur drei Sätzen beschwört Saki Bilder herauf, die Cormac McCarthy fast hundert Jahre später in The Road zu einem ganzen Roman auswalzte.
Schon bald nimmt die Geschichte aber eine unerwartete Wende und die Leser werden an das grossartige Hörspiel "Die Andere und ich"von Günter Eich erinnert. Man könnte auch an den Identitätswechsel in "Ich bin ein anderer" von Pierre Boileau und Thomas Narcejac denken.
Die Schicksalshunde jagen Martin Stoner aber weiter. Seine Rettung wird ihm zugleich zum Verderben. Dem Schicksal (was immer das sein soll) entkommt er nicht. Die Schlussepisode wiederum erinnert an William S. Maugham: "The Appointment in Samarra" und wieder auch an Günter Eich: "Geh nicht nach El Kuwehd!" Es wäre interessant zu untersuchen, ob Maugham und Eich die Short Stories Sakis kannten.
Man sieht: viele Autoren haben sich bewusst oder unbewusst bei Saki bedient.
Saki hat so viele sehr gute Kurzgeschichten geschrieben, dass ich mich wieder holen muss: "The Hounds of Fate" ist Saki in Hochform.
„Beggars on horseback“
Der Gedanke der „beggars on horseback“ kommt Martin Stoder schon beim Ausritt am ersten Tag auf der Farm. Er stammt aus dem Sprichwort „Put a beggar on horseback and he'll ride it to death“ und bedeutet, dass Leute, die plötzlich zu Reichtum gelangen ihn schnell wieder verlieren.
Das Sprichwort wird anders formuliert: „Set a beggar on horseback and he will ride a gallop” auch Robert Burton (1577 – 1640), einem Englischlehrer an der Oxford University zugeschrieben.
Hunde in Mythen
Hunde spielen in den Mythen und Legenden eine grosse Rolle. In Mythen wird ein Hund als erster Vertreter eines Stammes oder der gesamten Menschheit angesehen (Kretschmar 1938). Der Hund ist Wächter der Unterwelt (Zerberus, der schwarze, dreiköpfige Hund der griechischen Mythologie, und Garm, Wächter am germanischen Nieflheim) und ist deshalb besonders mit dem Tod verbunden. Der Hund ist aber auch der Begleiter des Menschen: im Leben und über den Tod hinaus. Damit eignet er sich gut als Vermittler zwischen dem Jenseits und den Lebenden.
Den Ausdruck "Hounds of Fate" – die Hunde als Schicksalsvollender – fand ich allerdings nur in Williams 1987.
The Hounds of Fate (1911): Text online Saki1Saki2Saki3
Saki Boileau, Pierre; Narcejac, Thomas: Ich bin ein anderer. Ein Heldenleben. Rache mit 15. Drei Thriller in einem Band
Saki William S. Maugham: "The Appointment in Samarra"
Saki Cormac McCarthy: The Road
Literatur
Kretschmar, Freda (1938): Hundesstammvater und Kerberos. Bd 1-2. Stuttgart: Strecker & Schröder.
Williams, Michael V. (1987): „The Hound of Fate in »Madame Bovary«”. College Literature 14:1, S. 54-61.

The Boar-Pig
In "The Boar-Pig" bestraft das dreizehnjährige Mädchen Matilda Cuvering den Betrugsversuch durch Mrs Philidore Stossen und deren Tochter. Bezeichenderweise hatte Mrs Stossen schon im Jahr zuvor, als die Familie Cuvering abwesend war, den Weg durch den Hintergarten in deren Haus ausgekundschaftet. Diesmal war sie zu einer wichtigen Party mit Adesbeteiligung nicht eingeladen worden. Über den Hintergarten wollen Mutter und Tochter Stossen sich selbst einladen, doch die Türe ist verschlossen. Matilda Cuvering schneidet ihnen den Rückweg ab, indem sie den Eber Tarquinius Superbus (benannt nach dem letzten König von Rom) losläßt. Matilda nutzt die peinliche Lage der beiden Damen weidlich aus. Sie erniedrigt sie und läßt sich Lösegeld für einen karitativen Zweck bezahlen. Für ihr Verhalten beruft sie sich auf ihren Gehorsam gegenüber ihrer Tante, der Gastgeberin der Gartenparty.
Nur ein kleiner Teil des Lösegelds landet freilich beim "Children's Fresh Air Fund".
Ähnlich wie in "The Open Window" setzt Saki ein Mädchen ein um die Vertreter der Mittelklasse zu bestrafen. Das Kind geht zudem einen Pakt mit einem wilden Tier ein, ähnlich wie im bekannteren "Sredni Vashtar". Der Eber stellt sich hier als harmloses Tier heraus, aber Matilda hat ihre Beute schon eingeheimst.
SakiLucius Tarquinius Superbus
SakiSaki The Boar-Pig Mp3 Download
The Boar-Pig: Text online Saki1Saki2

The Open Window
Framton Nuttel zieht sich wegen einer Krankheit aufs Land zurück und erhielt dafür Empfehlungsschreiben seiner Schwester. Damit kreuzt er bei Mrs Sappleton auf. Empfangen wird er aber von der 15-jähriger Nichte. Diese tischt ihm eine tolle Vermisstengeschichte auf. Vor genau 3 Jahren gingen durch die offene Terrassentür (french window) Mr Sappleton und ihre zwei jüngeren Brüder auf die Jagd. Mrs Sappletons Mann hatte einen weißen Mantel über den Arm, Ronnie, der jüngste Bruder, sang: „Bertie, why do you bound?” Seitdem wartet Mrs Sappleton täglich auf ihre Rückkehr. Deshalb bleibt tagsüber das Fenster immer auf.
Kurz nachdem Mrs Sappleton herunter kommt, ziehen die drei Vermissten tatsächlich durchs Fenster in die Wohnung ein, rechtzeitig zum Tee, wie Mrs Sappleton zufrieden feststellt. Einer der Heimkehrer singt: „I said, Bertie, why do you bound?”
Framton Nuttel stürmt vor Schrecken aus dem Haus. Die Nichte hat dafür eine Erklärung. Die Story endet mit ihrer Charakterisierung: „Romance at short notice was her speciality”.
Die zunächst harmlose Horrorgeschichte zeigt, wie Neuankömmlinge und Außenseiter (Nuttel ist krank; sein gesamter Name Framton Nuttel ist sonderbar) auf dem Land mit Distanz empfangen werden. Hier wird Nuttel sogar durch die erste Geschichte verjagt und durch die zweite für halbwegs verrückt ausgegeben.
„Bertie, why do you bound?”
war zu Beginn des 20. Jhdts. ein beliebter Song aus der Show "Our Miss Gibbs". Musik: Cuthbert Clarke; Text: R.C.Tharp. In der historischen Youtube-Aufnahme von 1909 singt  George Grossmith, jr.
„to bound”: begrenzen, beschränken, springen; „bounder”: Schurke, Raubauke, unartiges Kind
Vergleichsliteratur
Shirley Jackson: "Charles"
Tobias Wolff: "The Liar"
The Open Window: Text online Saki1Saki2
SakiSummary of Saki (H.H. Munro)’S “the Open Window”
SakiKaren Bernardo: An Analysis of Saki's 'The Open Window'
SakiDiskussion zu „Bertie, why do you bound”
Saki„Bertie, why do you bound?” @ youtube

The Occasional Garden
Was dem Deutschen sein Auto ist dem Engländer sein Garten. Die Konkurrenz um den schönsten Garten wird in "The Occasional Garden" amüsant und anregend veralbert.
Bemerkenswert ist Sakis Einführung der O.O.S.A. Occasional-Oasis Supply Association und der E.O.N. The Envy of the Neighbourhood als zwei Firmen, die absonderliche Aufträge erledigen. Was damals die Leser futuristisch anmutet ist heute weitgehend Realität. Das Vorspielen Potemkinscher Dörfer spielt auch in vielen Filmen eine grosse Rolle, so prominent in der "Der Clou" [The Sting] und "Die Truman Show".
SakiThe Occasional Garden adapted by Julie Hoverson, Mp3 Download
The Occasional Garden: Text online Saki1Saki2

Links
SakiHector Hugh Munro
SakiH.H. Munro (SAKI) – zahlreiche Texte online
SakiSaki (1870-1916) – zahlreiche Texte online
SakiShort Stories of Saki – by Hector Hugh Munro. Introduction by A. A. Milne, 1911
SakiReginald in Russia and Other Sketches (August 16, 2013) LibriVox Free Audiobook
SakiJen Baker: Review: Reading Saki. Edwardian Culture Network, September 2014.
SakiConnell, Tim (2006): „The Grinning Shadow that sat at the Feast: an appreciation of the life and work of Hector Munro ‘Saki’”.
SakiEdwardian Entertainments. Selected and adapted by Julie Hoverson – zahlreiche Hörspiele nach Sakis Kurzgeschichten, als mp3
Saki Erster Satz in der Belletristik - Anfänge von Romanen, Erzählungen, ...
SakiMs. Nada & Her Girls: H H Munro - Saki
SakiChris Power: A brief survey of the short story part 21: Saki – The icy comedy of HH Munro's stories has kept their power to shock nicely preserved, The Guardian, 14 September 2009
SakiPringle, Pamela M. (1993): „’Wolves by Jambach’: The Elusive Undercurrents in Saki’s Short Stories”. Diss. St. Andrews University of Aberdeen, Aberdeen
SakiSafonova, Maria A. (2013): „Concerning the Stylistic Peculiarities of H.H. Munro’s Short Stories” (pdf)
SakiJerome Shea: Saki, 16. 11. 2008
SakiA Story-Teller… 
Saki Kurzgeschichtenanthologien, Kurzgeschichtensammlungen und Besprechungen dazu 
Literatur
Cheikin, Miriam Quen (1978): „Saki: Practical Jokes as a Clue to Comedy”. English Literature in Transition, 1880-1920 21:2, S. 121-133.
Drake, Robert (1962): „Saki: Some Problems and a Bibliography”. English Literature in Transition, 1880-1920 5:1, S. 6-26.
Drake, Robert (1963): „Saki’s Ironic Stories”. Texas Studies in Literature and Language 5:3, S. 374-388.
Elahipanah, Nooshin (2004): „Saki’s Engagement with Evolution, Naturalism and Determinism”. Postgraduate English 9, S. 24.
Kufnerová, Nela (2012): „The Image of Women in Saki’s Short Prose”. Diss. University of Pardubice, Pardubice.
Maxey, Ruth (2005): „“Children are Given us to Discourage Our Better Instincts”: The Paradoxical Treatment of Children in Saki’s Short Fiction”. Journal of the Short Story in English 45, S. 47-62.
Stevick, Philip (1966): „Saki’s Beasts”. English Literature in Transition, 1880-1920 9:1, S. 33-37.
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Saki SakiH. H. Munro aka Saki: The Complete Short Stories. London: Penguin, 2000. Broschiert, 563 Seiten Saki
H. H. Munro aka Saki: The Complete Short Stories of Saki. Authorhouse, 2010. Broschiert, 364 Seiten Saki
Sekundäres
Byrne SakiSandie Byrne: The Unbearable Saki: The Work of H. H. Munro. Oxford: Oxford UP, 2007. Gebunden, 314 Seiten Gibson
Brian Gibson: Reading Saki: The Fiction of H.H. Munro. Mcfarland, 2014. Taschenbuch, 287 Seiten Saki
Saki Anfang

Saki
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 2.12.2014