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Dickens

Charles Dickens: A Tale of Two Cities

London: Collector’s Library, 2003. Gebunden, 521 Seiten

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Am 24 November 1859 erschien von Charles Darwin: On the Origin of Species in London. Ebenfalls im November 1859 erschien A Tale of Two Cities als Buch, nachdem es bereits von April bis November 1859 als wöchentliche Fortsetzungsgeschichte erschienen war.
Im selben Monat zwei enorm einflussreiche Werke! Noch mehr: an einem Ort, London, und von Autoren mit denselben Initialien: CD.
A Tale of Two Cities beschreibt
  • die katastrophalen sozialen und hygenieschen Verhältnisse in London und Paris
  • die Kluft zwischen der französischen Aristokratie und der Bevölkerung vor der Revolution
  • die Brutalität der Revolutionäre gegenüber allen anderen während der Revolution
  • wie sich ein verflochtener Kreis von Protagonisten in diesem revolutionären Umfeld durchschlägt.
A Tale of Two Cities besteht aus den drei Büchern
  • 1 Recalled ot Life (6 Kapitel)
  • 2 The Golden Thread (24 Kapitel)
  • 3 The Track of a Storm (15 Kapitel)
Im Jahr 1775 reist Jarvis Lorry, Angestellter der Tellson's Bank, London, mit der 17-jährigen Lucie Manette nach Paris um Dr. Alexandre Manette abzuholen, der 18 Jahre im Gefängnis verbracht hatte.
In London gibt Charles Darnay Französischunterricht. Er ist Sohn von Marquis St. Evremonde, flüchtet aber, abgestossen von den Greuler der Aristokraten, einen anderen namen annehmend, nach London. Er wird als Spitzel angeklagt. Die Zeugenaussagen werden aber erschüttert, als dem Gericht mit Sydney Carton ein Doppelgänger Darneys präsentiert wird. Darney wird freigesprochen. Luzie Manette heiratet ihn, doch auch Sydney Carton, ein nichtsnutziger Rechtsanwalt, liebt sie.
Inzwischen ist in Paris die Revolution ausgebrochen und der Mob wütet. Als Darney einen Freund in Paris retten will, kommt er als Sohn von Marquis St. Evremonde in die Fänge der REvolutionshorden. Dank des Einsatzes des beliebten Dr. Alexandre Manettes kommt Darney frei. Doch Madame Defarge, eine Revolutionsanführerin, bringt erneut vor Gericht. Er wird zum Tode durch die Guillotine verurteilt. Durch ein gewagtes Täuschungsmanöver geht Sydney Carton für ihn aufs Schafott und erweist damit Lucie eine letzten Dienst.
Schauplätze
London and Paris, 1775-1792, das ist vor und während der Französischen Revolution.
Paris hatte damals 900.000 Einwohner, London das Doppelte. Als Dickens 1870 starb hatte Paris 1,8 MIllionen Einwohner und London 4 Millionen.
Durch den Wechsel zwischen den Städten kann Dickens die Parallelen zwischen den beiden zeigen.
Bei der Schilderung von Gerichtsprozessen werden Unterschiede deutlich.
In London wird die Anklage gegen Darna sofort fallen gelassen, als mit dem Auftreten seines Doppelgängers Sidney Carton die Zeugenaussagen schwer erschüttert werden.
In Paris herrscht Chaos und die Willkür der Revoluzzer bei den Prozessen läßt keine Gerechtigkeit zu.
Themen

Duplizität der Personen und Schauplätze

London (England) versus Paris (Frankreich)
Der sichere Hafen London gegen das chaotische Paris
St. Evremonde alias Charles Darnay gehört soowhl der französischen Aristokratie an, als auch – selbst erwählt – dem englischen Mittelstand.
Sein Doppelgänger Sydney Carton beeinflusst zweimal durch eben diese Duplizität des Aussehens das Geschehen.

Wiederauferstehung

Selbstaufopferung

Ungerechtigkeit

Dr. Alexandre Manette und Charles Darnay werden nahezu grundlos eingekerkert.
Die Gerichtsverfahren in London und Paris verlaufen höchst unterschiedlich.
Darnay wird in London freigelassen als die Zeugenaussagen durch die Präsentation des Doppelgängers Carton erschüttert werden.
In Paris sind die Angeklagten den Gerichten hilflos und vorverurteilt ausgeliefert.

Gewalt

Nach der Revolution rächen sich die Unterdrückten grausam an der Aristokratie und allen, die die Revolutionäre dazu zählen.
Der Roman ist ein gutes Beispiel für
„die Revolution [...] frißt ihre eigenen Kinder”. Dieses geflügelte Wort stammt aus Georg Büchner: Dantons Tod und geht dort auch auf die Französische Revolution zurück.

Doch schon vor der Revolution geißelt Dickens die barbarischen Rituale, sei es weltlicher oder religiöser Art.
„Under the guidance of her Christian pastors, she entertained herself, besides, with such humane achievements as sentencing a youth to have his hands cut off, his tongue torn out with pincers, and his body burned alive, because he had not kneeled down in the rain to do honour to a dirty procession of monks which passed within his view, at a distance of some fifty or sixty yards.”
(Book I, Chap. 1)
"Ah!" returned the man, with a relish; "he'll be drawn on a hurdle to be half hanged, and then he'll be taken down and sliced before his own face, and then his inside will be taken out and burnt while he looks on, and then his head will be chopped off, and he'll be cut into quarters. That's the sentence."
"If he's found Guilty, you mean to say?" Jerry added, by way of proviso.
"Oh! they'll find him guilty," said the other. "Don't you be afraid of that."
(Book II, Chap. 2)

Stil & Symbole

Dickens pflegt mit einer wortreichen Sprache ausufernde Beschreibungen. Das muss man mögen oder zumindest akzeptieren um den Reichtum dieses historischen Romans zu genießen.

Wortgleiche Wiederholungen sind ein durchgängiges Stilmittel, wohl um den Lesern den Text einzumeißeln. Das wirkt eindrucksvoll, wenn man sich das Buch von einem guten Sprecher vorlesen läßt.

Wiederhallende Schritte
kündigen oft bedrohliche Situationen an.



Keine herausgehobene Hauptperson
Im The Golden Thread (Buch 2) verbindet Lucy Manette das Geschehen und ist wohl mit goldener Strang gemeint.
Gleichzeitig strickt die zweite weibliche Hauptperson Madame Therese Defarge am tödlichen Strang: sie strickt – wenn ich das richtig verstanden habe – die Namen der Feinde der Revolution in ihr Gewinde. Da nach der Revolution so ziemlich alle (ohne dafür etwas zu tun) zu Feinden der Revolution erklärt werden, hätte sie sich das sparen können.

Humor
[Mr Lorry:] „how are you?” „Nothing to boast of,” said Miss Pross. (Book II, Chap. 6)
Diesen Wortwechsel gibt es noch krasser im Deutschen:
„Wie geht es?” „Beschissen wäre geprahlt.”

Worterklärungen
Carmagnole
(Book III, Chap. 5 & 6)
1. kurze ärmellose Jacke der Jakobiner
2. Tanz[lied] während der Französischen Revolution.
Es wurde während der Hinrichtungen um die Guillotine gesungen und getanzt.
Conciergerie
(Book III, Chap. 5–8)
Gebäudeteil, in dem vom 2. April 1793 bis zum 31. Mai 1795 die Sitzungen des Revolutionstribunals stattfanden. Dabei wurden circa 2700 Menschen zum Tod verurteilt. DickensConciergerie
Loadstone Rock
(Book II, Chap. 24)
siehe Dickensenotes
„you cannot sarse the goose and not the gander”
(Book III, Chap. 9)
zu verstehen im Sinne von „what's sauce for the goose is sauce for the gander” = man sollte Leute gleich behandeln
„We shall meet again, where the weary are at rest!”
(Book III, Chap. 11)
Anspielung auf Hiob 3, 17: „Dort hören Frevler auf zu toben, dort ruhen aus, deren Kraft erschöpft ist.” Hiob beklagt den Tag seiner Geburt. Es wäre für ihn besser gewesen tot geboren worden zu sein.; sozusagen ein Loblied auf den Tod, der alle gleich macht.
Charles Darnay und Lucie Manette (jetzt Darney) trennen sich.
A Tale of Two Cities beeinflussende Literatur
Im Vorwort nennt Charles Dickens zwei einflussreiche Werke, die ihn zu A Tale of Two Cities inspirierten:
  • Wilkie Collins: The Frozen Deep
  • Thomas Carlyle: The French Revolution
Siehe dazu die Literatur: Dickens A Tale of Two Cities beeinflussende Literatur

Autor Sam Gilpin im Nachwort zur hier besprochenen Collector’s Library-Ausgabe:
A Tale of Two Cities shows Charles Dickens at the heights of his powers as a novelist” (S. 513).
Der Roman-Verführer äußert sich zurückhaltend zu Die Geschichte aus zwei Städten (in etwa: sehr sonderbar, in Einzelheiten aber ganz außerordentlich guter historischer Roman; wobei Rolf Vollmann nicht ausführt, worin das Sonderbare besteht), insgesamt aber doch zustimmend.
(Vollmann 1997, S. 412–413)
So sehr der Erzähler mit dem aufgestauten Zorn der Pariser Bevölkerung sympathisiert, den folgenden Terror beschreibt er entsetzt und Ablehnung erheischend.
Obwohl einige Zutaten des Romans (zahllose Handelnde; undurchsichtige und nicht immer einleuchtende Wendungen; historischer Hintergrund; gelegentlich ausufernd und damit ermüdend) mich wenig ansprechen, war ich stets begierig die Lektüre möglichst schnell fortzusetzen.
A Tale of Two Cities glänzt durch packende Szenen, zahlreiche treffende Vergleiche und einprägsame Charaktere.
Ich las, dass von A Tale of Two Cities 200 Millionen Exemplare verkauft wurden. Wunderbar! Hoffentlich wurden all diese Bücher von je mehreren Lesern zu Ende gelesen.
Ich freue mich schon aufs Wiederlesen in ein paar Jahren.

Verfilmungen
A Tale of Two Cities (1935)
A Tale of Two Cities (GB, 1958)
A Tale of Two Cities (1980)
A Tale of Two Cities (1989)

Links
DickensA Tale of Two Cities (Wikipedia)
DickensEine Geschichte aus zwei Städten (Wikipedia)
DickensA Tale of Two Cities, Spark Notes
DickensMarie Kalil: A Tale of Two Cities, Cliff Notes
DickensText online
DickensA Tale Of Two Cities Notes (Discovering Dickens) Dickens
DickensReading Guide From A Tale of Two Cities and Great Expectations (Oprah's Book Club)
DickensFree study guide and infographic for A Tale of Two Cities
DickensA Tale of Two Cities Study Guide, Gradesaver
DickensSonya Solomonovich: “Get out of my head, Charles Dickens!” A Tale of Two Cities and Other Annoying 19th Century Things, September 4, 2013
DickensMary Frances Loughran: Guide to leading a seminar on Charles Dickens' classic of the French Revolution, A Tale of Two Cities (audio, 55 Min.)
DickensDr Tony Williams: "Dickens: A Tale of Two Cities", Gresham College, 3 July 2007
Auf Youtube gibt es jede Menge Summaries, Audio, Cartoons, etc. zu A Tale of Two Cities.
Hier nur eine Auswahl:
DickensA Tale of Two Cities by Charles Dickens | Summary & Analysis, Youtube, 13 Min.
DickensVideo SparkNotes: Charles Dickens's A Tale of Two Cities summary, Youtube, 18 Min.
DickensAhmed Qadoury Abed: Patterns of Thematic Progression in C. Dickens' A Tale of Two Cities, Research Gate 2010
DickensBody snatching
DickensResurrectionists in the United Kingdom
Dickens Charles Dickens – mit weiterführenden Texten und Links Dickens
Literatur
Ahmadi, Meysam. (2014): „Cultural Hegemony in Charles Dickens’s A Tale of Two Cities”. International Journal of Literature and Arts 2:4, S. 98-103.
Baxter, Leslie A. (2004): „A Tale of Two Voices: Relational Dialectics Theory”. The Journal of Family Communication 4:3&4, S. 181-192.
Hutter, Albert D. (1978): „Nation and Generation in A Tale of Two Cities”. PMLA 93:3, S. 448-462.
Joshi, Priti. (2007): „Mutiny Echoes: India, Britons, And Charles Dickens’s A ‘tale Of Two Cities’”. Nineteenth-century Literature 62:1, S. 48-87.
Khalily, E. (2017): „Deixis Analysis in A Tale of Two Cities written by Charles Dickens”. Proceedings from International Academic Journal of Social Sciences. – Dickensonline verfügbar
Mengel, Ewald (1984): „The Poisoned Fountain: Dickens’s Use of a Traditional Symbol in »A Tale of Two Cities«”. Dickensian 80:402.
Monod, Sylvere. (1970): „Dickens’s Attitudes in A Tale of Two Cities”. Nineteenth-Century Fiction 24:4, S. 488-505.
Robson, Lisa. (1992): „The “Angels” in Dickens’s House: Representation of Women in A Tale of Two Cities”. Dalhousie Review 72:3, S. 311-333 – Dickensonline verfügbar
Sroka, Kenneth M. (1998): „A Tale of Two Gospels: Dickens and John”. Dickens Studies 27. S. 145–169
Vahrenholt, Janina (2010): Die Geschichtsauffassung in Charles Dickens’ "A Tale of Two Cities". GRIN – Dickensonline verfügbar
Vollmann, Rolf (1997): Die wunderbaren Falschmünzer. Ein Roman-Verführer. Band 1 1800 bis 1875. Frankfurt: Eichborn.
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Film

Dickens DickensCharles Dickens: A Tale of Two Cities. Regie: Ralph Thomas. Mit Dirk Bogarde & Dorothy Tutin. GB 1958. 1:57 Stunden


Sekundärliteratur

Colin Jones, Josephine McDonagh, Jon Mee, Hg.: Charles Dickens, A Tale of Two Cities and the French Revolution. Springer, 2009. 212 Seiten
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Sanders
Dickens Andrew Sanders: The Companion to A Tale of Two Cities. Helm Information, 2015. Taschenbuch, 192 Seiten
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Dickens Andrew Sanders: Charles Dickens Resurrectionist. Palgrave Macmillan, 2014. Taschenbuch, 256 Seiten


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