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Dickens
Charles Dickens: Great Expectations
London: Collector’s Library, 2003. Gebunden, 628 Seiten – Charles LinksCharles Literatur
Gleich zu Beginn stellt sich der ganz junge Pip als Erzähler vor, nicht so lakonisch wie „Call me Ishmael“ in Herman Melvilles Moby Dick.
Im Great Expectations breitet Pip dann über viele Seiten (nicht abwertend gemeint) sein junges Leben aus.
Er wächst als Waise bei seiner Schwester und ihrem Mann Joe Gargery, einem Schmied, auf.
In einer gruseligen Eingangsepisode stößt das Kind Pip auf entlaufene Gefangene. Es ist der Urknall des Romans, denn Magwitch, einer der Gefangenen, spielt eine Schlüsselrolle.
(Allerdings sind einige später aufzudeckende Ereignisse vor der Eingangsepisode ebenfalls handlungsentscheidend. Insofern hinkt der Urknallvergleich.)
Pip eginnt eine Lehre bei seinem Schwager Joe und lernt die wohlhabende und schrullige Miss Havisham kennen. Allerdings ist er mit dem Schmiedberuf unzufrieden, er will ein Gentleman werden und erhofft sich sozialen Aufstieg. Er hat große Erwartungen.
Diese werden möglich durch eine unverhoffte Patenschaft. Er wird finanziell großzügig unterstützt, kennt aber seinen Wohltäter nicht. Man setzt große Erwartungen auf ihn, die er zunächst durchaus erfüllt. Er zieht nach London und wird einigermaßen wohlhabend. 
“I established with myself, on these occasions, the reputation of a first-rate man of business,—prompt, decisive, energetic, clear, cool-headed.” (Kap. 34)
Pip passt sich der Gesellschaft gut an, wenn er auch nie sein Herkommen vergisst. Aber beim Besuch von Joe und später beim Auftauchen von Magwitch fühlt er sich unwohl, schämt sich für  deren Benehmen, will sie wieder loswerden.
Magwitch, seine Bekannschaft aus Kindertagen, taucht unter dem Namen Provis wieder auf und der Abstieg beginnt. Immerhin kann sich Pip immer wieder an Joe erden.
Das Ende ist einigermaßen versöhnlich. Mr. Pumblechook (Joes Onkel) zu ihm:
“Young man, I am sorry to see you brought low. But what else could be expected! what else could be expected!” (Kap. 58)
Das Hauptthema des Romans erschien mir der soziale Aufstieg und die Beherrschung anderer durch finnziellle Zuwendungen (andere fehlen oft).
Beides sind auch heute höchst aktuelle Themen, wenn auch in anderer Form als in 1860, als der Roman erschien und zu einem großen Erfolg wurde.
Die Zukunft eines Kindes hängt in Deutschland sehr vom sozialen Umfeld ab; Geld spielt bei den allermeisten politischen Entscheidungen die primäre Rolle.
Trotz Auf- und Abstieg kann man sich vorstellen, dass Pip wieder in seiner Umgebung besser aufgehoben ist als in der gehobenen Klasse in London. Dieser Eindruck korrespondiert mit Janoschs Botschaft in "Oh, wie schön ist Panama" (ganz präsent, da ich es kürzlich im Theater gesehen habe) und sicher vielen anderen Werken der Literatur.
Charles Dickens gibt gute Einblicke in eine Welt der sozialen Schichten, wie sie in veränderter Form auch heute noch virulent ist. Er schreibt farbig und gelegentlich auch witzig, so wenn er von Joes Besuch in London erzählt:
“Then he fell into such unaccountable fits of meditation, with his fork midway between his plate and his mouth; had his eyes attracted in such strange directions; was afflicted with such remarkable coughs; sat so far from the table, and dropped so much more than he ate, and pretended that he hadn't dropped it; that I was heartily glad when Herbert left us for the City.” (Kap. 27)
Oder wenn Mr. Jaggers seinen Gästen mitteilen will, dass sie gehen sollen:
“Gentlemen,” said Mr. Jaggers, deliberately putting down the glass, and hauling out his gold repeater by its massive chain, “I am exceedingly sorry to announce that it's half past nine.” (Kap. 26)
Dickens verstreut gelegentlich versteckten oder offensichtlichen guten Rat. So belehrt Rechtsanwalt Mr. Jaggers seinen Mandanten Pip:
“Take nothing on its looks; take everything on evidence. There's no better rule.” (Kap. 40)
Ein Ratschlag, den man auch heute jedem geben kann.
Wie immer nach der Lektüre eines umfangreichen Romans, besonders in Englisch, müßte ich das Buch vorne aufklappen und es nochmals lesen. Ich tue das nie.
Great Expectations ist ein kurzweiliger, unaufdringlich belehrender Schmöker, ein Bildungsroman im doppelten Sinne: er beschreibt die Bildung Pips und er bildet den Leser.
Ein ausgezeichneter Einstieg in das Dickens-Jahr 2020 (150.Todestag von Charles Dickens): die Lektüre beendete ich im Dezember 2019 Dickens.
Great Expectations erinnerte mich auch an Victor Hugo: Die Elenden [Les Misérables]. Wer dieses kennt und gern gelesen hat, wird auch an Great Expectations Gefallen finden.
Links
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