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Torday
Paul Torday: Salmon Fishing in the Yemen
[Lachsfischen im Jemen, Thomas Stegers, Übs.] London: Phoenix, 2007. Broschiert, 329 Seiten
Paul LinksPaul Literatur

Der Titel spricht wohl jeden an und verspricht überraschende Lektüre. Die Vergleichsliteratur am Ende des Buchs enthält drei Bücher, die ich mit Vergnügen gelesen habe, darunter mit Catch-22 eines meiner Lieblingsbücher überhaupt.
Scheich Muhammed hat eine abwegige Idee: er will den Lachs im Jemen heimisch machen um den Tourismus anzukurbeln. Dazu läßt er seinen Einfluss in England spielen. Die schottischen Lachsfischer und der Wissenschaftler Alfred Jones sind aus verschiedenen Gründen strikt dagegen. Doch Jones untersteht der amtlichen Bürokratie und wird "überzeugt": die britische Regierung schaltet sich ein.
Über den Fortgang sei nichts verraten, da sonst überhaupt kein Grund mehr für die Lektüre vorliegt.
Der Text wird in E-Mails, Tagebucheintragungen, Medienberichten, usw. geboten. Dadurch werden unterschiedliche Standpunkte eingenommen. Ich bezweifle, dass dieser Vorteil die Nachteile (Umstellung auf die Textsorten; Beschränkung der Darstellungsform durch das jeweilige Medium) aufwiegt.
• Die gute Idee trägt nicht den ganzen Roman über mehr als 300 Seiten.
• Die Seitenhandlungen (Ehe des verheirateten Fred Jones; Verlobter einer Angestellten des Scheichs ist im Irak im Kriegseinsatz) tragen zu wenig bei.
• Die satirischen Effekte nutzen sich bald ab, wenn es überhaupt dazu langt. Die Vorgehensweise der britischen Regierung, das Zusammenspiel der Behörden mit Ämter, einem vermögenden Scheich und einer heiklen Nation in Nahost sollen absurd erscheinen: doch die Wirklichkeit in Politik und Wirtschaft ist genau so. Also keine Satire, siehe "Forderungen, Politik, Affären der Amigos" unter Paul Links. Da werden in einzigen Affäre 3700 Millionen versiebt (beim selben Unternehmen sogar mehr als 10 Milliarden) und niemand war's. Da sind die 500 Millionen des Scheichs „peanuts“ dagegen. Satire also nur was der Titel hergibt, alles andere könnte tatsächlich so passieren und passiert auch täglich.
• Das Geschehen ist recht vorhersehbar. Nur zwei Beispiele:
– Ein Dorf in der arabischen Welt (oder in Peru oder Nepal ...,) erreicht man nur über eine schmale extrem gefährliche Strasse und immer mit einem tollkühnen Fahrer (vergleiche: Salman Rushdie: Haroun and the Sea of Stories, Paul Vergleichsliteratur). Wenn man das Dorf sieht fühlt man sich immer um Jahrhunderte zurück versetzt (S. 208).
– Der Ingenieur vor Ort Tom Roper stammt aus Texas. Seit Red Adair (1915 Houston, Texas – 2004 ebenda, siehe Paul Links), dem legendären Bekämpfer von Erdölbränden stammen Ingenieure, wenn nicht aus Deutschland, dann aus Texas.  Er glaubt nicht ans Projekt, macht aber was seine Pflicht ist und schafft es (S. 210).
• Zu wenig Tiefgang, daher kein Gegengewicht zur mageren Handlung
• Zu lasche Unterhaltung
• Manche Gags (z.B. Satire auf Quiz, Kap. 26, siehe Eugène Ionesco: "Die Unterrichtsstunde", siehe Paul Links, oder Vikas Swarup: Q and A [Rupien! Rupien!], Paul Vergleichsliteratur) sind schon recht abgegriffen. Der Ratschlag „Tell them what you're going to tell them, tell them, and then tell them what You've told them“ (Kap. 27, S. 247) geht – soweit ich weiß – auf einen Prediger im Wilden Westen zurück und ist nicht so absurd, wie es klingt.
• Manches ist unglaubwürdig, z.B. einiges im "Interview with Dr. Alfred Jones: dinner at the Ritz" (Kap. 209, S. 263ff) oder einiges zum Showdown.
• Als Satire ist der Roman also verfehlt, da kaum Satirisches vorkommt.
• Als Realität kommt der Roman in vielem nicht über einen politischen Zeitungsbericht hinaus.
• Hinaus geht die karrieresüchtige Ehefrau und die Wandlung Freds. Er mutiert vom nüchternen Wissenschaftler zum Umsetzer einer visionären Idee. Jedoch: die Wandlung oder Weiterentwicklung einer Hauptperson ist eine Grundvoraussetzung eines ordentlichen Romans, nicht seine Auszeichnung.
• Das Thema Arabische Welt versus westliche Zivilisation kommt nur am Rande vor ist aber ein Pluspunkt des Romans.
Wenn man den Titel kennt und die Stichworte Bürokratie und Regierungsaufträge dazu nimmt, kennt man den halben Roman. Man kann Lachsfischen im Jemen lesen – es ist selten direkt langweilig – , wenn man Längen aushält und laue Unterhaltung gut findet. Die Vergleichsliteratur – soweit ich sie kenne – ist durchwegs besser, mit Ausnahme vielleicht des überbordenden Salmon Rushdie. 
Links
TordaySalmon Fishing in the Yemen
TordayTim Mackintosh-Smith: "Faith, hope, love ... and fish", The Guardian, 24 Feb 2007 
TordayMatt Thorne: "Political satire meets pooteresque whimsy", The Telegraph 04 Feb 2007
TordayMary Whipple: "Salmon Fishing in Yemen", Sep 30, 2007)
TordayRed Adair
TordayEugène Ionesco: Die Unterrichtsstunde
Torday Forderungen, Politik, Affären der Amigos
Vergleichsliteratur (laut Vorschlag im Farrar, Straus and Giroux Taschenbuch, S. 329)
Torday Marina Lewycka: A Short History of Tractors in Ukrainian [Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch]
Torday Joseph Heller: Catch-22
Yann Martel: Life of Pi [Schiffbruch mit Tiger]
Torday D. B. C. Pierre: Vernon God Little [deutsch: Jesus von Texas]
Samuel Butler: Erewhon [Merkwürdige Reisen ins Land Erewhon]
Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Vergleichsliteratur
Torday Alan Bennett: The Uncommon Reader [Die souveräne Leserin]
Torday Salman Rushdie: Haroun and the Sea of Stories [Harun und das Meer der Geschichten]
Torday Vikas Swarup: Q and A [Rupien! Rupien!]

Literatur
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Torday SternePaul Torday: Lachsfischen im Jemen. Berlin: Bvt, 2008. Thomas Stegers, Übs. Broschiert, 320 Seiten Torday
Paul Torday: Lachsfischen im Jemen. Berlin: Berlin, 2007. Gebunden, 317 Seiten Sterne
Torday SternePaul Torday: Salmon Fishing in the Yemen. Phoenix House, 2007. Taschenbuch, 352 Seiten Torday
Paul Torday: Lachsfischen im Jemen. Audio, 2007. 2 CDs. Sprecher: Joachim Kròl, Lena StolzeSterne
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