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Robert Wilson: The Blind Man of Seville
[Der Blinde von Sevilla]. London: HarperCollins, 2004. 567 Seiten – wilson Linkswilson Literatur
Inspektor Javier Falcón ermittelt im Mordfall Raúl Jiménez. Die Begleitumstände sind merkwürdig, der Körper des Toten entsetzlich zugerichtet. Nur zäh schreiten seine Ermittlungen voran bis er ein Foto entdeckt, dass nicht nur den Toten sondern auch seinen Vater zeigt. Beide waren für einige Jahre in Tanger. Der Autor verknüpft den Lebenslauf des Ermordeten mit seinem Vater, dessen beide Ehefrauen und sich als kleiner Junge in Nordafrika. Die Verwicklungen laufen in der Retrospektive ab, dazu entdeckt Javier ein Tagebuch seines Vaters. Längere Auszüge davon erscheinen im Krimitext. Viele Personen der Vergangenheit starben keines natürlichen Todes. Fast zuviele für nur einen Roman. Nach zwei weiteren Morden in der Erzählgegenwart treibt es Robert Wilson auf die Spitze: der Mörder sucht Javier auf ...
Das hätte einen spannenden Krimi ergeben, wenn sich Robert Wilson mit weniger zufrieden gegeben hätte. Weniger sowohl was die Personenkonstellationen angeht, als auch was die Seitenanzahl betrifft. Nach dem furiosen Auftakt und einem atmosphärischen Sevilla in Festtagsstimmung kämpft sich die Handlung voran bis zum nächsten guten Einfall (S. 178). Der Abdruck der Tagebuchauszüge des Vaters bringt für den Krimi wenig, mehr für die psychologische Kennzeichnung des Vaters, der ein erfolgreicher avantgardistischer Maler ist (und mehr, wie sich herausstellen wird). Dann erfährt der Leser die nächste Nuance (S. 265).
Der breite Stoff entgleitet Vielerzähler Wilson gelegentlich.
  • Hilfsermittler Pérez berichtet hervorragend und tiefschürfend an Javier (S. 332), doch Javier wirft ihm kurz darauf (für den Leser völlig unmotivert) fehlenden Eifer vor und gibt ihm eine andere Aufgabe (S. 333).
  • In einer Villa wird von außen ein blutender Körper entdeckt (S. 367), dann sucht man seitenlang den Schlüssel zur Villa, statt beherzt die Scheibe einzuschlagen.
  • Javier wird polizeiintern psychologisch untersucht und zwangsbeurlaubt, doch seinen Dienstrevolver darf er behalten (S. 480).
Ein paar gute Einfälle, verwinkelte und verstrickte Sippschaften über mehrere Jahrzehnte und ein glänzend gezeichneter Ermittler reichen nicht für einen spannenden Krimi. Mittelmässig.
Robert Wilson
* 1957. Studium an der Universität von Oxford; er arbeitete in der Schifffahrt und in der Werbung.
Wilson bereiste Asien und Afrika; lebte zeitweise in Griechenland und Westafrika.
Derzeit lebt er mit seiner Frau abwechselnd in England, Spanien und Portugal.
1999 A Small Death in Lisbon: Golden Dagger Award, vergeben von "The Crime Writers Association of Great Britain".
2003 Tod in Lissabon: Deutscher Krimi-Preis.
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Rezensionen: wilsonTobias GohliswilsonZDF
wilsonInterview with Robert Wilson
wilsonGolden Dagger AwardwilsonDeutscher Krimi Preis
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wilson wilsonWilson, Robert: The Blind Man of Seville. London: HarperCollins, 2004. Broschiert, 567 Seiten wilson
Robert Wilson: The Blind Man of Seville. Harvest Books, 2004. Javier Falcon Thrillers. Taschenbuch, 448 Seiten wilson
wilson wilsonRobert Wilson: Der Blinde von Sevilla. München: Goldmann, 2004. Kristian Lutze, Übs. Broschiert, 740 Seiten
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 22.2.2006