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Paretsky
Sara Paretsky: Guardian Angel
New York: Dell, 1992. Broschiert, 417 Seiten – Sara LinksSara Literatur
Gerade als die Privatdetektivin V.I. Warshawski („Vic”) den geliehenen Impala zur Werkstatt zurückbringen will, wird auf sie ein Anschlag verübt. Sie selbst kann sich in dieser turbulenten Szene gerade noch retten, der Impala ist ein Wrack.
Da der Chevrolet Impala einst – als ich als Schüler nachmittags in der PX bei den US-Amerikanern in Garmisch-Partenkirchen arbeitete – mein Traumwagen war, bekam Vics dramatischer Kampf eine besondere Note für mich.
Bis zu diesem Action-Höhepunkt muss der Leser allerdings mit langem Atem lesen (50. Kap., S. 385ff).
Viele Kapitel lang passiert zunächst wenig und ich überlegte: muss / soll ich weiterlesen? Ich strich das „Krimi” (was ja nirgends behauptet wird) und las eine atmosphärischen Nachbarschaftsroman aus der Metropole Chicago.
Dann wird jemand vermisst und tot aus dem Kanal gefischt. Alles noch wenig aufregend, doch das Geschehen verdichtet sich und mündet in einem komplizierten Wirtschaftskrimi.
Wer auf Action oder Hochspannung hofft wird spärlich bedient. Erst kurz nach der Mitte des Romans kommt zur klassischen Konfrontation Heldin gegen Angreifer in der Überzahl.
„I pulled my gun free as the men came for me. They were brandishing giant wrenches, but when they saw the gun they backed off a bit. From the corner of my eye I could see the other men climbing down the ladder from the upper platform. Seven men, eight bullets” (S. 250–251).
Vic beschafft sich ihre Beweise oftmals illegal und durchforstet dafür auch das Büro ihres Ex-Ehemanns Richard „Dick” Yarborough. Der Nachtportier des Bürogebäudes alarmiert die Polizei und Vic holt der Polizei gegenüber ihre erste Story aus dem Köcher: Dick sei mit den Unterhaltskosten im Rückstand. Sie suchte nur Belege dafür, dass er zahlungsfähig sei. Die Polizei ist nicht überzeugt, läßt aber Vic mitten in der Nacht mit Dick telefonieren. Ihm erzählt sie die zweite, noch absurdere Story.
Dick: Was im Himmel machst du in meinem Büro?
Vic: Seitdem ich heute morgen dein Hemd mit Kaffee versaute [sie hatte versehentlich Kaffee darüber gegossen] fühlte ich mich so schuldig und konnte nicht schlafen. Ich dachte, wenn ich das Hemd hole und für dich wasche, könntest du mir verzeihen. (S. 373).
Es gibt wohl kaum eine dämlichere Ausrede für einen nächtlichen Einbruch.
Als Krimi benötigt Guardian Angel einen langen Anlauf. Sara Paratesky spult das Geschehen stilistisch einnehmend ab. Die Beziehungen zwischen den Nachbarn im Haus in der Racine Avenue, Chicago, gehen ihr leicht von der Feder. Ob aber jede Leserin jedes Zähneputzen, Duschen und jeden Wäschewechsel der Protagonistin mitlesen will, bezweifle ich.
„I took an extra half hour to lie in a cool bath before changing my jeans.” (S. 325).
Kurz darauf:
„I changed the thin T-Shirt  I‘d put on after my bath for a bra and a silk shirt in dusky rose” (S. 328).
Paretsky versäumt es auch nicht jedes Mal genau zu benennen, wo Vic ihr Auto parkt.
Anregender ist es, wenn sich die Autorin auf US-amerikanische Internas bezieht.
„... we’re not in Kansas anymore”
Eine Dame aus Kansas wird in Chicago ständig auf Toto angesprochen (S. 179). Aus Frank Baum: The Wonderful Wizard of Oz stammt die inzwischen geflügelte Feststellung Dorothys: „Toto, I’ve a feeling we’re not in Kansas anymore” (ohne „got”).
„You better let me take you home, Nancy Drew”
Polizist Conrad Rawlings bietet Vic an: „You better let me take you home, Nancy Drew” und spielt damit auf eine berühmte Seriendetektivin an, die erstmals 1930 aufgetreten ist.
Scarlett O'Hara Syndrom
Das Scarlett O'Hara Syndrom (S. 266)
aus dem Film „Gone with the Wind” läßt sich am besten mit „Morgen, morgen, nur nicht heute” umschreiben. Scarlett O'Hara im Film: "I can't think about that today, I'll think about it tomorrow." Es gibt freilich auch andere Interpretationen dieses Syndroms.
Subterranean Homesick Blues
Das vorletzte Kapitel 53 überschrieb Sara Paretsky treffend mit „Subterranean Homesick Blues”, dem 1965 veröffentlichten Song von Bob Dylan. So kommt sogar nachträglich noch Nobelpreis-Flair in den Roman.
Guardian Angel (deutsch: Eine für alle) ist ein etwas zu lang geratener Chicagoroman mit einem reichen Beziehungsgeflecht auf vielen Ebenen und in der zweiten Hälfte auch noch mit einiger Krimi-Spannung. Für Leser mit langem Atem, die das US-Großstadtleben honorieren können, zu empfehlen.
Links
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ParetskyNiemand entkommt dem Kansas-Spruch: Die Bedeutung von The Wizard of Oz
ParetskyScarlett O'Hara Syndrome
ParetskySubterranean Homesick Blues, Bob Dylan
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Paretsky ParetskySara Paretsky: Guardian Angel. New York: Dell, 1992. Broschiert, 417 Seiten Paretsky
Sara Paretsky: Eine für alle. Thriller. Dietlind Kaiser, Übs. München: Goldmann, 2007. Taschenbuch: 448 SeitenParetsky
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