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Rowley
Hazel Rowley: Richard Wright. The Life and Times
New York: Henry Holt, 2002. 626 Seiten – LinksLiteratur
Wenn man Wrights autobiografisches Black Boy (wright Rezension) kennt, erfährt man in dieser Biografie zu Richard Wright zunächst nicht viel Neues. Allerdings lesen die meisten nur die gekürzte Version der Autobiografie, nicht mehr American Hunger (wright Rezension). Und selbst wenn man diese kennt, bietet Rowley: Richard Wright. The Life and Times bedeutend mehr.
Richard Wright hat sehr viele Notizen und Belege aufbewahrt. Daher kann Hazel Rowley ein sehr genaues Lebensbild zeichnen. Sie schwankt gelegentlich zwischen nüchterner Beschreibung und praller Biografie. Ich meine, das gelang ihr gut. Entscheidende Behauptungen belegt Rowley mit Quellenhinweisen. Richards frühe Kindheit war noch mehr als es in Black Boy hervortritt von der Religiosität seiner Familie geprägt: "The day began at sunrise, with prayers. There were prayers at the breakfast table and prayers at the dinner table" (S. 16). Richard hat seinen eigenen Kopf und sein Grossvater prophezeit ihm: "The gallows is at the end of the road you traveling, boy" (S. 19). Die Autorin deutet am Ende an, dass Wright durch eine Wismut-Kur vergiftet wurde. Ob dies aus Unwissenheit des Arztes oder mit Nachhilfe des CIA geschah, bleibt offen. Schon seit den Kriegsjahren stand Wright unter Beobachtung des FBI (und CIA ?). Wer an die Rechte der Afro-Amerikaner glaubte, war dem FBI verdächtig (S. 276). Bezeichnend ist, dass Wright noch Ende der 50-er Jahre von einer bank in Jackson, Miss. einen Brief, nur adressiert mit "Wright" erhält. "They were not going to say »Mr.« to a black man" (S. 484).
Selten baut Rowley Anekdoten wie diese ein (was wiederum für ihre Nüchternheit spricht):
Wright besucht mit seiner späteren Biografin Constance Webb ein Cafe im Greenwich Village, New York. Sie bestellten Kaffee.
"Webb was the first to push her cup away in disgust. Wright was the first to speak. He beckoned to the waitress, who was observing them from a distance. »There's salt in our coffee,« he said to her quietly. »That's how we serve it,« the woman said defiantly. »If you don't like it here, then go somewheres else.« Behind her, in the kitchen, the cook was holding a heavy skillet and glaring. They left." S. 349
Rowley lässt trotz aller Ausführlichkeit einige Lücken: Mir ist unverständlich, warum Wright viele Kürzungen an seinen Werken hinnahm. Einige Szenen (wie die Verteidigungsrede in Native Son) sind ja tatsächlich zu lang, die Kürzungen also literarisch gerechtfertigt; andere Kürzungen (wie dem Book-of-the-Month Club zuliebe; S. 181-183; der ja Bücher nicht auswählte, sondern abänderte; S. 289) sind wohl Zugeständnisse, damit das Werk überhaupt erscheinen konnte. Hierzu bleibt Wrights Motivation offen. Wrights Haltung zum Werk seiner Kollegen (Langston Hughes, Gwendolyn Brooks, Ralph Ellison, James Baldwin, ...) vermisste ich; ebenso die Bedeutung seines Werks über 1960 hinaus.
Wrights lebenslängliches Problem war, dass er nirgends hinpasste, weil er immer gegen die Unterdrückung der Afro-Amerikaner und aller Menschen Stellung bezog. Damit eckt man überall an. Wright war sich bewusst, dass die Welt, wie er sie sich wünschte, unerreichbar war (S. 47). Er sah sich immer als Teil der westlichen Welt, damit war er zweifacher Aussenseiter: zum Abendland gehörte er nicht wegen der Hautfarbe, zu Afrika oder der Dritten Welt auch nicht, wegen seiner Herkunft.
Eine ausführliche, gut geschriebene, manchmal etwas zu nüchterne Biografie, die Fragen offenläßt.
Links
wrightInterview mit Hazel Rowley
wright Richard Wright
wright Literatur zu Richard Wright: Black Boy + American Hunger
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Rowley blablaRowley, Hazel: Richard Wright. The Life and Times. New York: Henry Holt, 2002. 626 Seiten + Photoseiten
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