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Wallace
David Foster Wallace:
A Supposedly Fun Thing I'll Never Do Again. Essays and Arguments

[Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich. Marcus Ingendaay, Übs.] London: Abacus, 2006. Taschenbuch, 384 Seiten – David Foster LinksDavid Foster Literatur
Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich, sagte sich David Foster Wallace irgendwann am oder vor dem 12.9.2008, als er sich an seinem Wohnort Claremont, Kalifornien, das Leben nahm.
Dieser farbigen Sammlung von Essays und Kurzgeschichten merkt man – soweit ich sie jetzt gelesen habe – davon nichts an.
derivative sport in tornado alley
Gerade (Anfang Mai 2011) fegten Tornados über die USA (344 Tote, tausende Verletzte und bis zu fünf Milliarden US-Dollar Sachschaden). Betroffen waren die US-Staaten Alabama, Mississippi, Tennessee, Georgia, Arkansas und Virginia.
Im ersten Essay erzählt Wallace von Illinois, dem winddurchtosten Korridor, in der Wallace seine Jugend verbrachte. Erstaunlich, dass trotzdem Tennis sein Hauptsport war. Er bringt uns den Sportzirkus mit gewohnter Lässigkeit und einer Prise Sarkasmus näher.
Diese essayistische Erzählung ist gute Vorbereitung und Kontrast zur letzten, dem ganzen Buch den Titel gebenden Reportage einer Kreuzfahrt in der Karibik.

a supposedly fun thing i'll never do again
„Mia hamma heua mal so a Weltreise gmacht.
Aba I sag's Eahna gleich wias iss: da farma nimma hin.“ Gerhard Polt: Die Weltreise
DFW wird 1995 auf eine mehrtägige Kreuzfahrt in die Karibik geschickt. Harper's Magazine  bezahlt alles, er berichtet darüber. Das erledigt er auf seine Weise: spöttisch, informativ, vor nichts Halt machend: weder vor den Touristen, noch der Besatzung, noch den US-Amerikanern allgemein, noch sich selbst.
Abgesehen von den dummen Fragen der Touristen und ihrem Herdentrieb konzentriert sich DFW zunächst auf den picobellen Service, der mit makelloser Disziplin durchgesetzt wird. Ganz oben in der Schiffshierarchie walten die griechischen Offiziere. Von ihnen berichtet DFW in einer seiner vielen Fussnoten (also doch ein Essay, keine Erzählung?): „a crewman could get fired for a pretty small lapse, and that getting fired by these Greek officers might well involve a spotlessly shined shoe in the ass and then a really long swim.“ (S. 266)
Oft bedient DFW freilich auch die Erwartungen der Leser, so wenn er ausführt, dass man auf einer Kreuzfahrt zum Vergnügen gezwungen wird: man hat immer gut drauf zu sein, auch wenn DFW zu sehr darauf vertraute, man könne sich „informal“ kleiden, den Smoking zuhause ließ und ihn dann vermisste.
Köstlich war, dass man auf der Toilette mit Olivia Newton-John „Let's Get Physical“ berieselt wurde (S. 339). Man hätte sich mehr "let's get physical" gewünscht, andrerseits unterläuft DFW damit – ich glaube voll überlegt – die Erwartungen mancher Leser (so auch meine).
Schach gegen die neunjährige Deirde
Gewohnt selbstkritisch und -ironisch zeigt sich DFW als er an Bord gegen die neunjährige Deirde in 23 Zügen eine Schachpartie (Damenfianchetto) verliert. Der kundige Leser merkt, dass DFW selbst spielen kann, was man von schachspiel-schildernden Autoren nicht immer behaupten kann. Ob ein versierter Spieler aber bis zum Matt im 23. Zug gespielt hätte ... Die US-Amerikaner wollen es scheinbar immer wissen (S. 325-326).
DFW fordert den Leser: ich musste mehr Wörter nachschauen als üblich bei englischsprachigen Werken, vor allem auch, damit mir kein Witz oder Seitenhieb entgeht.
Freilich: selbst der Wortwitz und die spontanen Einfälle eines DFW reichen nicht über nahezu 100 Seiten; genauer: sie kommen wohl noch, aber der Leser ist ermüdet.
Ob sich der Sammelband wirklich lohnt wird erst die Lektüre weiterer Essays daraus zeigen.
Links
Wallace David Foster Wallace: Girl with Curious Hair
Wallace Links zu David Foster Wallace
WallaceJohannes Fischer: Schach und Literatur: David Foster Wallace
Wallace Schach in der Literatur 
Literatur
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Wallace Wallace David Foster Wallace: Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich. Marcus Ingendaay, Übs. München: Goldmann, 2006. Taschenbuch, 192 Seiten Wallace
David Foster Wallace: Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich. Marcus Ingendaay, Übs. Mare, 2006. Gebunden, 184 Seiten Wallace
Wallace Wallace David Foster Wallace: A Supposedly Fun Thing I'll Never Do Again. London: Abacus, 1998. Taschenbuch, 384 Seiten Wallace
David Foster Wallace: A Supposedly Fun Thing I'll Never Do Again. Essays and Arguments. Back Bay Books, 1998. Taschenbuch, 368 Seiten Wallace
Wallace WallaceDavid Foster Wallace: Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich. Marcus Ingendaay, Übs. Hörverlag 2010. 4 AudioCDs. Vollständige Lesung: Dietmar Bär (Sprecher)

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