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Smiley
Jane Smiley: A Thousand Acres
New York: Ivy, 1992. Taschenbuch, 354 Seiten – Jane LinksJane Literatur
Das Familien- und Erbschaftsdrama King Lear (aus dem Jahre 1606) findet auch in Iowa (zweite Hälfte 20. Jhdt.) statt. Die Mehrgenerationensippe der Cooks hat mit Schweiß, List und Tücke Tausend Morgen Land zusammenbestellt. Jetzt sind noch die Clarks mit ähnlichem Besitz in der Nähe.
Aus mir nicht ganz ersichtlichen Gründen (laut einer Besprechung um Erbschaftssteuer zu sparen) überschreibt der misstrauische Laurence Cook die Farm seinen Töchtern Ginny (* 1943, Ich-Erzählerin), Rose und Caroline. Die jüngste, Caroline, arbeitet als Anwältin in der Hauptstadt Des Moines und ist an der Farm wenig interessiert. Ginny und Rose sind verheiratet, nur Rose hat zwei Kinder, Ginny etliche Fehlgeburten.
Die beiden Familien bearbeiten die Farm recht gut, doch Laurence bereut seine Übereinung und strengt – zusammen mit Caroline – einen Prozess gegen seine Töchter an.
Am Ende kann Ginny dem Teufelskreis der Jahreszeiten, aus Patriarchat (Jane Links) und geistiger Kleinbäuerlichkeit entrinnen.
Neid der Farmer untereinander (technische Ausstattung, Anbaukonzept, Ernteerfolg), aber auch unter den Kindern (Ginny neidet Rose die beiden Töchter Pammy und Linda, Ginny und Rose beneiden Caroline wegen ihrer Unabhängigkeit),  Klatsch im Dorf, Scheinheiligkeit, bestimmen das Leben der nicht armen Farmer. Auffallend ist das Fehlen der Mütter in der älteren Generation (soweit ich es erinnere, hält sich Smiley dabei an Shakespeare).
Im Laufe der Handlung werden auch frühere Episoden eingeblendet und der Leser erfährt schlimmste Dinge in der Familie Cook, bis hin zum sexuellen Missbrauch der älteren Töchter (anscheinend nicht von Caroline) durch den Vater. Sowohl Rose als auch Ginny brechen aus ihrer Familie aus: der heimgekehrte Jess Clark der Nachbarsfarm wird beiden zum Geliebten.
Smiley erzählt geschickt, Vergangenheit enthüllend, Gegenwart verflechtend. Allerdings hatte der Roman im zweiten Viertel einen gewissen Durchhänger.
Einige stereotype Schilderungen trüben das Bild. Zuviel packt die Autorin hinein. Besonders frage ich mich, ob der Mordversuch (ich verrate nicht von wem an wem) und seine Offenlegung durch den missglückten Mörder an sein Opfer (ohne jegliche Folgen) sein musste. Da bringt Smiley das Fass zum Überlaufen. Oder gibt es dazu eine Parallele in King Lear?
Das Drama "King Lear" wurde sozusagen gedreht: nicht die Kinder wenden sich vom Vater ab, sondern der Vater von den Kindern. Eine gewisse Rebellion seitens der Kinder mag eine Rolle spielen.
Alliterationen zu "King Lear": Larry – Lear, Cook – King, Ginny – Goneril, Rose – Regan, Caroline – Cordelia.
Iowa (Jane Links) scheint der Modellstaat des Mittleren Westens zu sein: flach, riesige Maisfarmen, dünn besiedelt, keine Grossstädte, nur Farmen und Des Moines, Cedar Rapids und Sioux City.
Typisch dafür war Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa, ein US-Film von 1993 mit Johnny Depp (Jane Links).
Verfilmung
A Thousand Acres, USA1997, mit Michelle Pfeiffer, Jessica Lange, Jennifer Jason Leigh und Jason Robards. Regie: Jocelyn Moorhouse (Jane Links).
Bob Wills
Für manche Leser mag der Gruss zwischen Larry Cook und Harold Clark im "Bob Wills–like falsetto »Ah-hanh!«" (Kap. 4, S. 16) nicht geläufig sein. Der Country&Western Sänger Bob Wills baute ein Falsetto »Ah-hanh!« in nahezu jeden seiner zahlreichen Songs ein (Jane Links).
Andere Interpreten hatten ähnlich Allüren. Celia Cruz, diegefeierte "Queen Of Cuban Rhythm", streute – zumindest in ihre späteren Aufnahmen – regelmäßig "Açúcar" (Zucker) ein.
Preise
1991 National Book Critics Circle Award for Fiction
1992 Pulitzer Prize for Fiction
Ein gutes Familiendrama aus dem Mittleren Westen (wie sie in der US-Literatur häufig sind, man denke an John Steinbeck), das an manchen Stellen zu plakativ ausfällt. Das Thema King Lear wurde nicht nachgeäfft, sondern neu gestaltet. Beste Leseempfehlung.
Links
Jane Smiley: SmileydeutschSmileyenglisch
shakespeareA Thousand Acres
SmileyNational Book Critics Circle
SmileyThe Pulitzer Prizes
SmileyJane Smiley talks with Robert Birnbaum, 18. Juni 2003
SmileyIowa
SmileyGilbert Grape – Irgendwo in Iowa (What's Eating Gilbert Grape)
SmileyPatriarchat
SmileyTausend Morgen (A Thousand Acres) US-Film, 1997
SmileyBob WillsSmileyWelcome to Bob Wills.com
Jane William Shakespeare in Zweitverwendung
Vergleichsliteratur
A. S. Byatt: Possession: A Romance (1990)
Margaret Drabble: The Radiant Way (1987)
Margaret Drabble: A Natural Curiosity (1989)
Jane Jonathan Franzen: The Corrections [Die Korrekturen]
W. P. Kinsella: Shoeless Joe
Halldór Laxness: Sein eigener Herr [1934 Sjálfstætt fólk I + 1935 Sjálfstætt fólk II (Roman, dt. 1936: Der Freisasse; 1962: Unabhängige Menschen; 1968: Sein eigener Herr]
John McGahern: Amongst Women (1990)
Richard Powers: The Gold Bug Variations (1991) – Jane Richard Powers
William Shakespeare: King Lear
Jane John Steinbeck
Literatur
Brauner, David (2001): ""Speak Again": The Politics of Rewriting in "A Thousand Acres"". The Modern Language Review 96:3, S. 654-666.
Carden, Mary Paniccia (1997): "Remembering/Engendering the Heartland: Sexed Language, Embodied Space, and America's Foundational Fictions in Jane Smiley's "A Thousand Acres"". Frontiers: A Journal of Women Studies 18:2, S. 181-202.
Farris, Sara (1998): "American Pastoral in the Twentieth-Century O Pioneers!, A Thousand Acres, and Merry Men". Isle Interdisciplinary Studies in Literature and Environment 5:1. S. 27-48
Hall, Kelley J. (2000): "Putting the Pieces Together: Using Jane Smiley's "A Thousand Acres" in Sociology of Families". Teaching Sociology 28:4, S. 370-378.
Kirby, Jack Temple (1996): "Rural Culture in the American Middle West: Jefferson to Jane Smiley". Agricultural History 70:4, S. 581-597.
Levin, Amy (1999): "Familiar Terrain: Domestic Ideology And Farm Policy In Three Women's Novels About The 1980s". MWSA Journal 11:1, S. 21-43.
Malmgren, Carl Darryl (1999): "The Lie of the Land: Heartland Novels by Smiley and Kinsella". MFS Modern Fiction Studies 45:2, S. 432-456
Marsh, Kelly A. (1995): "The Neo-Sensation Novel: A Contemporary Genre in the Victorian Tradition". Philological Quarterly 74:1, S. 99-123.
McDermott, Sinead (2002): "Memory, Nostalgia, and Gender in "A Thousand Acres"". Signs 28:1, S. 389-407.
Osborne, Carol (2003): "Family Matters: Fiction's Contribution to the Memory Wars". Signs 28:4, S. 1121-1149.
Schiff, James A. (1998): "Contemporary Retellings: A Thousand Acres as the Latest Lear". Critique: Studies in Contemporary Fiction 39:4, S. 367–381.
Walz, Thomas (2002): "Crones, Dirty Old Men, Sexy Seniors: Representations of the Sexuality of Older Persons". Journal of Aging and Identity 7:2, S. 99-112.
Žindžiuvienė, Ingrida (2006): "The Role of American Lanscape in Jane Smiley’s Novel “ A Thousand Acres “". Gender Studies 5, S. 32-42 ("Lanscape", sic!)
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smiley Smiley Jane Smiley: Tausend Morgen. Berlin: BTV, 2004. Taschenbuch, 494 Seiten. Hannah Harders, Übs. smiley
Jane Smiley: Tausend Morgen. Frankfurt: Fischer, 1992. Gebunden, 461 Seiten. Hannah Harders, Übs. Smiley
smiley Smiley Jane Smiley: A Thousend Acres. Anchor, 2003. Taschenbuch, 384 Seiten
farrall
Susan Farrall: Jane Smiley's a Thousend Acres. Continuum 2001. Taschenbuch, 93 Seiten Smiley
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 9.5.2009