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Costello
Mark Costello: Big If
[Paranoia]. Orlando: Harvest, 2003. 360 Seiten – Costello LinksCostello Literatur
Mark Costello schickt in Big If zwei Berufskreise ins Rennen, die über eine verwandtschaftliche Brücke verbunden sind.
Da sind die Agent(innen) des Secret Service, die sich hauptsächlich mit dem Schutz des VP (unbenannter Vizepräsident der USA) auf einer Wahlkampftournee beschäftigen. Und da sind die Softwareentwickler, hier speziell Spieleerfinder und -ausdenker in der Softwarefirma Big If. Die Agentinnen müssen sich ausdenken, was wäre, wenn jemand dem Schutzbefohlenen an den Kragen will, die Software-Leute müssen voraussehen, wie die Spielenutzer reagieren. Beide müssen es ihren "Gegnern" möglichst schwer machen.
Der Vater der Agentin Vi Asplund ist Gutachter einer Schadensversicherung in New Hampshire, also auch beruflich mit den Unwägbarkeiten des Lebens und der Absicherung dafür beschäftigt. Er ist radikaler Atheist und überschreibt das Motto auf den Dollarnoten "In God We Trust" mit "In Us We Trust".
Walter Asplund "glaubt" u.a. an The Origin of Species (S. 5). Aus wissenschaftlicher Sicht ist dies zu tadeln, da man an die Evolution eben gerade nicht glauben muß, sondern sie ist millionenfach empirisch belegt. Es ist geradezu ein Trick der Kreationisten und Intelligent Design-Vertreter, die Evolution zur Glaubenssache zu erklären und sie damit auf gleiche Ebene wie Schöpfungsmythen zu stellen.
Raymond Rios, Lehrer aus Longmont, Texas, muss an der High School beides lehren.
   "We do the Big Bang in the fall, the birth of stars and planets, chemistry and physics, energy and matter, Darwin, speciation and genetics. Then we spend the spring on the first page of the Bible."
   [Jens:] "Must go pretty quick, the Bible. Not a lot to say. God did it, class dismissed."
   "We cover it in depth."
   "So if one of your students wrote on an exam that we evolved over three million years from a stooped, nut-grubbing primate known as Lucy Afarensis, would that student get an A or an F?"
   "Depends on the semester," Raymond Rios said. "In the fall, that's an A. In the spring, that's an F, because the whole deal only took a week." (S. 154-155)
Charles Darwin: CostelloThe Origin of SpeciesCostelloThe Origin of Species - 6th Edition
heller Evolution – Anthropisches Prinzip – Intelligent Design – Kreationismus
Der Reiz des Romans liegt darin, dass Costello die Berufswelten gegeneinander setzt und das Privatleben mitverwebt. Ausserdem tritt das Sicherheitsstreben der Menschen in den Vordergrund; speziell auch das Abwägen aller Eventualitäten. Das zeigt sich symptomatisch in der künstlichen Verkomplizierung des US-Alltags. Der Agent Tashmo erhält einen dringenden Auftrag. Seine Frau Shirl muß daher den Nissan Sentra in die Werkstatt fahren, hat aber auch die Tochter Jeanette zur Schule zu bringen. Es wird ein anderes Ehepaar zur Hilfe gebeten, die nur per Anrufbeantworter erreichbar sind. Wie das alles unter einen Zeitplan zu bringen ist, kommt einem "running gag" gleich. Costello führt es auf S. 104 ein, auf S. 240 ff kocht das logistische Problem immer noch.
Während man als Besucher die wichtigen Termine und das scheinbar intakte und wunderbar funktionierende soziale Leben der US-Familien kennenlernt, erzählt uns Costello über Vi Asplund (und nicht nur über sie) etwas anderes.
"Most of the agents an the team had fairly shitty home lives, so Vi didn't feel too bad having none at all" (S. 92).
Die witzigen Einfälle des Autors lockern auf, sind jedoch zu spärlich gesät (oder nicht beim ersten Lesen eingängig?). Die Filmszene mit dem weiblichen Agenten
"She's tied to a chair by this evil torture expert guy in the old abandoned oil refinery on the outskirts of town, and she has to shoot her way to freedom" (S. 340-341).
erinnert an:
"Down in the old abandoned mine, Sweet Sue was havin' fits
That villain said, »Give me the deed to your ranch
Or I'll blow you all to bits!«
And then he grabbed her (and then)
He tied her up (and then)
He lit the fuse to the dynamite (and then, and then...!)
And then along came Jones"
The Coasters: "Along Came Jones (Jerry Leiber, Mike Stoller), Mai 1959
Doch das kommt vielleicht daher, weil sich alle Filmszenen dieser Art ähneln.
Big If beschreibt die Paranoia der (US-)Gesellschaft, ähnlich wie es Catch-22 (heller Rezension) für den Krieg macht. Joseph Hellers Meisterwerk ist witziger und konzentrierter. Mark Costello hat viele Fäden in der Hand, die gelegentlich zu lose herumhängen. Detailreich zeigt er, dass die politische Bedrohung, ähnlich wie die im PC-Spiel, nicht real, sondern künstlich erzeugt ist. Vieles ist Fassade und nur Auffüllung der leeren Stellen.
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Rezensionen
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Interviews
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Literatur
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Mark Costello: Paranoia. München: Goldmann, 2004. Hans M. Herzog, Übs. Gebunden, 350 Seiten Costello
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