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Trumbull
Robert Trumbull: Das Floss
[The Raft, 1942]. New York: Overseas, o.J. 206 Seiten – Literatur
Mir ging es wie vielen Kommentatoren bei den Online-Buchversendern: ich las Das Floß in einer Kriegsausgabe in (manchmal fehlerhaftem) Deutsch als Jugendlicher und jetzt nochmals.
Januar 1942, Zweiter Weltkrieg, Südpazifik. Ein Aufklärungsflugzeug verpaßt den "heimatlichen" Flugzeugträger und muß im Ozean notlanden. Die drei Besatzungsmitglieder: Pilot Harold Dixon, Schützen Tony Pastula und Gene Aldrich können sich gerade noch auf ein Schlauchboot retten. Sie treiben über 30 Tage im Pazifik und können sich gerade noch auf eine Insel retten.
Dixon erzählte seine Geschichte dem Reporter Trumbull. Entgegen heutigen Gebräuchen erschien sie auch unter dem Namen des Schriftstellers und sie blieb Dixons Geschichte. Obwohl er als Pilot das Schlamassel verursachte bleibt er die ganzen irrsinnigen Wochen auf dem Boot der Vorgesetzte. Die militärische Hierarchie wird eingehalten. Kann es so gewesen sein, wenn die drei schon fast dem Irrsinn verfallen? Harold Dixon vermasselt nach seinem schweren Fehler zu Beginn weiterhin einiges. So verlieren sie wegen ihm die angefertigte Seekarte und die Kleidung (S. 167-69).
Beim zweiten Lesen erschien mir vieles vereinfacht oder beschönigt. Trumbull mußte alles in eine passende chronologische Ordnung bringen. Nach 34 Tagen auf dem Wasser kann man ohne Aufzeichnungen nicht mehr feststellen, was am 27. Tag geschah und was am 28.
Insgesamt löste Trumbull seine Aufgabe gut. Trotzdem die Fahrt, abgesehen von der ständigen Lebensgefahr und den lebensbedrohenden Abenteuern, eintönig war, verteilte Trumbull die Episoden und läßt die drei immer hoffnungsloser im Ozean treiben. Ihm gelingen eindringliche Bilder. Die Albatrosse und Seeschwalben tafeln rund um das Boot. Während die Menschen hungrig und hilflos zuschauen müssen, sind die Tiere bestens angepasst (S. 36).
Nach 28 Tagen reden sie über Kannibalismus (S. 148-50). Wie ich meine unnötig beschönigend stellt Dixon fest, daß keiner "so tief hätte sinken wollen" (S. 150). 1972 überleben sechzehn Personen einen Flugzeugabsturz in den Anden. Zuletzt gelingt das nur durch Kannibalismus (Rüdiger Nehberg: Die Kunst zu überleben. Hamburg 1981. S. 18-21).
Der militärische Geist (so er nach 34 Tage wirklich noch vorhanden war) zeigt sich in der Szene, als die drei endlich glücklich auf einer Insel landen. Ich zitiere das hier, da es mir seit dem ersten Lesen in Erinnerung blieb.
"Wenn Japaner auf der Insel sind," sagte ich, "sollen sie einen amerikanischen Seemann nicht kriechen sehen. Wir werden stehen und marschieren, und dann solle sie uns niederschiessen wie Krieger." (S. 187)
Trotz der Bedenken ob nicht manches unmilitärische weggelassen wurde, ist Das Floss lesenswert. Es zeigt, daß der Mensch zäh ist und die Hoffnung nicht aufgeben darf.
Thema Durst und Dürre
Antoine de Saint-Exupery: Wind, Sand und Sterne (mit Flugzeugabsturz des Autors in der nordafrikanischen Wüste). duerre Rezension
Robert Trumbull: Das Floss
Siegfried von Vegesack: Aufruhr in der Quebrada. Eine Erzählung aus Argentinien. wind Rezension
Literatur
Deutsche Ausgaben derzeit 12/2004 nur antiquarisch
Robert Oliver Trumbull: 34 Tage ohne Hoffnung. Brockhaus, 1954. Willi Rickmer Rickmers, Übs. Gebunden, 186 Seiten,
Robert Oliver Trumbull: Wie sie überlebten. Econ, 1958. Helmut Holscher, Übs. Gebunden, 155 Seiten
Bei Amazon nachschauen   derzeit 12/2004 vergriffen
Trumbull   TrumbullRobert Trumbull: The Raft. Naval Institute, 1992. John M. Waters (Vorwort). Taschenbuch, 213 Seiten Trumbull
Robert Trumbull: The Raft: The Courageous Struggle of Three Naval Airmen Against the Sea. Blackstone Audiobooks, 1997. Tom Parker (Erzähler), Hörkassette Trumbull

Trumbull
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 23.6.2005