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Heinrich Steinfest Ein sturer Hund
Heinrich Steinfest: Ein sturer Hund
München: Piper, 2004. Broschiert, 313 Seiten
Ein kleiner Trick des Autors gleich zu Beginn (der sicher nicht bei jedem verfängt): Der Autor Moritz Mortensen findet in der Bibliothek seinen Stammplatz besetzt. Dieser Eindringling leiht zudem die drei bisher von Mortensen veröffentlichten Romans aus. Sofort wird Mortensen (und ich als Leser) hellhörig. Der fiktive Autor gerät in eine Mordaffäre, ich tauchte in einen weitläufigen Kriminalroman hinein. Steinfest erzählt und plaudert, ich merkte kaum, daß der Detektiv Markus Cheng erst auf Seite 105 auftritt.
Der Krimi spielt in Stuttgart und Umgebung und hält noch einige Überraschungen für den Leser parat. Heinrich Steinfest strapaziert den Krimi (Ritualmorde, Geheimdienste, Detektiv-Polizei-Aversion, ...), doch es blieb im vergnüglichen Rahmen. Heinrich Steinfest verplaudert sich in Details, aber ich nahm es selten übel, da es flott forumliert ist und nie zuweit von der Handlung wegführt. Es sollte sich niemand von der Lektüre abhalten lassen, wenn ich meine, daß man den Krimi auch auf der Hälfte der Seiten abspulen könnte.
Ich finde den Plot gelungen. Mir gefiel vor allem, daß sich nicht viele Stränge verwirren und ganz am Ende vom Detektiv die große Auflösung erklärt wird. Unglaubwürdig war mir, daß Cheng in der Kirche eine unbekannte Frau als mögliche Täterin anspricht und sich sogar mit ihr anlegt. Man bedenke: er hat sie vorher nie gesehen (S. 182-84). Später gibt Cheng dafür eine fadenscheinige Begründung: die Beschreibung (sie war mehr als vage!) passte ziemlich genau auf sie (S. 192).
Die Fabulierfreude habe ich schon erwähnt. Sie taucht auch in kleinen Gags auf: Cheng und Purcell sitzen im Auto. "Dann drückte er [Purcell] eine Taste seines Autoradios, und es erklang ein Madrigal William Byrds. »Ein Madrigal«, erklärte Purcell" (S. 146). Oder Steinfest schweift in zwei Absätzen zum Verhältnis der Österreicher und der Katholischen Kirche ab, was darin gipfelt: "Die Österreicher blicken nie zu Gott, immer nur zu den Deckenmalereien aus" (S. 127). So sehr mir das alles gefiel, etwas kürzer wäre nicht schlechter gewesen. Manchmal erkannte ich stilistische Eigenarten (Österreichismen ?), so wenn Steinfest den unbestimmten Artikel vor "jeder" setzt. Beispiele: "... die in einem jeden Arzt einen Handlanger des Todes sehen" (S. 17); "Beinahe ein jeder Tisch war besetzt" (S. 165). Aber das sind seltene Holpersteine im ansonsten sogartigen Sprachgeflecht.
Sehr empfehlenswerter deutscher Krimi
Der Deutsche Krimi-Preis 2004 (Deutscher Krimi-PreisDeutscher Krimi-Preis 2004) in der Kategorie National
1. Platz: D.B. Blettenberg: Berlin, Fidschitown
2. Platz: Anne Chaplet: Schneesterben
3. Platz: Heinrich Steinfest: Ein sturer Hund
Ich kenne die beiden anderen Krimis nicht, doch der Preis für Ein sturer Hund ist verdient.
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Steinfest SteinfestHeinrich Steinfest: Ein sturer Hund. München: Piper, 2004. Broschiert, 313 Seiten

Heinrich Steinfest Ein sturer Hund
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