Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Heinz Schlaffer
Heinz Schlaffer. Die kurze Geschichte der deutschen Literatur
München: Hanser, 2002. Gebunden, 157 Seiten – schlaffer Hitlisten, Top 100, ...schlaffer Literaturhinweise zum Kanon
Richtig gelesen: 157 Seiten und fünf Zeilen genügen. Zumindest für Schlaffers brilliant geschriebenem Essay. Auf dem Umschlag steht "Heinz Schlaffer, Jahrgang 1939, ist Professor für Literaturwissenschaft an der Universität Stuttgart". Genauso liest sich sein Buch stellenweise. Insgesamt ist – vorausgesetzt man kennt die wichtigsten deutschen Dichter und Schriftsteller (diese Teilung legt Schlaffer unausgesprochen oft zugrunde) und hat Interesse an der Entwicklung anhand der Umgebung im Land und in ganz Europa – der Essay fast schon spannend.
Hier zunächst meine Literaturgeschichte im Schlafferschen Duktus:
Die deutsche Literatur beginnt etwa 1750 für fünfzig Jahre, hat dann eine Talsohle um in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts neue Höhen zu erreichen. Danach ist Sense.
Mir gefiel, daß Schlaffer meist gute Begründungen für seine Thesen gibt. Mal im Ernst: wer von euch hat schon was gelesen, das vor 1750 entstanden ist? Vielleicht in einem Germanistikseminar. "Viel wird geforscht, wenig gelesen" (18). Aus dem 19. Jahrhundert hat ja wirklich nicht viel überlebt. Schlaffer nennt ein paar wie Heine, Büchner, Fontane. Wobei er sich täuscht, wenn er meint, Fontane sei "der einzige deutsche Autor des 19. Jahrhunderts, dessen Popularität in der Gegenwart zugenommen hat" (120). Ich weiß nicht wie es um Heine steht, doch Büchners Berühmtheit hat sicher zugenommen.
Nicht einverstanden bin ich mit der Bewertung Schlaffers der deutschen Literatur nach dem 2. Weltkrieg (132ff). Nur kurz erwähnt er Paul Celan und die zwei Nobelpreisträger, doch auch Frisch und Dürrenmatt schrieben deutsche Literatur. Er gesteht zu, daß die eigentliche Entdeckung der Literatur nach 1950 noch kommen könnte, da die Kanonisierung erst dreißig bis fünfzig Jahre nach dem Erscheinen beginnt (133; Hervorhebung von mir). Doch er setzt sich über diese Erkenntnis hinweg und sieht nur Leerstellen.
Man darf nicht meinen, nach dem Lesen die deutsche Literaturgeschichte zu kennen. Aber mehr über die Zusammenhänge und Bedingungen des Entstehens der literarischen Werke weiß man auf alle Fälle. Deshalb im Sinne des letzten Satzes lesenswert: "Die kurze Geschichte der deutschen Literatur ist so kurz, daß ihrem Leser Zeit bleibt, sich wieder der deutschen Literatur zuzuwenden, der dieses Buch sein dasein verdankt" (158).
Bei Amazon nachschauen   Bei Amazon nachschauen
Heinz Schlaffer   Heinz SchlafferHeinz Schlaffer. Die kurze Geschichte der deutschen Literatur. München: Hanser, 2002. Gebunden, 176 Seiten   schlaffer
Heinz Schlaffer. Die kurze Geschichte der deutschen Literatur. München: DTV, 2003. Broschiert, 157 Seiten schlaffer

Heinz Schlaffer
Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 1.1.2004