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Christa Wolf Medea. Stimmen
Christa Wolf: Medea. Stimmen
München: dtv 1998, 217 Seiten
Den Medeastoff des Euripides (und vielen anderen Schriftstellern) hat Christa Wolf eigenwillig und gekonnt verändert. Medea wird reingewaschen: zuviel will ich nicht verraten. Nachdem sie von Jason verstoßen wurde, wird sie gar zu einer antiken, Pestkranke pflegenden Mutter Teresa.
In der Countrymusik gibt es den berühmten, harmlosen Billy Joe. Er wird in der Stadt erschossen. ("Don't Take Your Guns to Town", Johnny Cash, 13.8.1958). Doch wenige Monate später sang uns Jerry Lee Lewis die wahre (?) Geschichte.   
"I'm the man they're gonna hang for killing Billy Joe
But there's a whole lot more to the story than they know
Listen to my side of it and I think that you will see"

("The Ballad of Billy Joe", Jerry Lee Lewis 25.6.1959)

Ähnlich geht es uns auch hier: haben wir 2000 Jahre den falschen Mythos gepflegt? Erzählt uns Christa Wolf die Wahrheit? Es gibt verschiedene Standpunkte und die Wahrheit ist nicht immer leicht zuerkennen. Vielleicht gilt dies auch für das Leben der Schriftstellerin Christa Wolf.
Das Verfahren, die Hauptpersonen in einem inneren Dialog die Handlung erzählen zu lassen, ist keinesfalls neu, scheint sogar recht modisch zu sein (Margaret Atwood Alias Grace). Der psychologische Vorteil dieses Verfahrens wird mit weniger Lebendigkeit bezahlt. Trotzdem ist "Medea" flott zu lesen. Die Handlung wird zwar nicht streng chronologisch entwickelt, macht aber auch keine verständnishemmenden Sprünge. Die Veränderungen benutzt Christa Wolf um zu zeigen, daß Fremdenfeindlichkeit, mangelnde Zivilcourage und Herabsetzung des Fremden schon seit der Antike unbewältigte Probleme vieler Kulturen sind. Der Kampf um die Thronfolge bei den Kolchern, noch ausgeprägter bei den Korinthern wäre einem Shakespeare-Drama angemessen. Die lesenden Männern werden bei der Zauberin Kirke, bekannt aus - nein, nicht aus dem Fernsehen - sondern der Odyssee, aufhorchen. Verwandelt Kirke doch glatt Männer in Schweine. Womit zumindest bewiesen ist, daß nicht alle Männer Schweine sind. Wie könnte sonst Kirke ihre Kunst beweisen?
Medea von Christa Wolf ist spannend, ideenreich und lesenswert.
Links
MedeaHess, Stephanie “Über die Einheit von Leben und Tod in Christa Wolfs „Medea“ - Der Mythos Medea”
Literatur
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christa wolf medea blablaMedea. Stimmen. München: DTV, 1998. Taschenbuch, 217 Seiten

Christa Wolf Medea. Stimmen
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 11.6.2002