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Andreas Altmann
Andreas Altmann: Einmal rundherum. Geschichten einer Weltreise
Reinbek: Rowohlt, 2002. Broschiert, 154 Seiten
Abgesehen davon, daß ich ein Unternehmen "In 60 Tagen um die Welt" als unsinnig empfinde, ist das Buch darüber vom Autor und Reporter Andreas Altmann aufschlußreich und lesenswert.
Andreas Altmann beschreibt im Schlagzeilenstil, verwendet dabei selten ganze Sätze, ein Projekt, in dem er, zusammen mit dem Fotografen Uli Reinhardt, in sechzig Tagen die Welt umrundet und davon Reportagen an zahlende Medien sendet. Das erscheint banal und ich verstand auch nie Altmanns gelegentliche Seufzer des Zeitdrucks unter dem sich die beiden wähnten. Da sie jederzeit des Flugzeug benutzten hätten sie es in wesentlich kürzer Zeit locker schaffen können.
Was mir an Altmanns Stil und Ideen gefiel war seine nüchterne, unsentimentale Position. Keine Bestürzung über die Verhältnisse vor Ort, sondern schlaglichtartige Aufnahmen. Er läßt oft die einheimischen Kauze und Bettler erzählen. Altmann und Reinhardt treffen selten die Erfolgreichen, sondern "The Man of the Crowd" wie ihn E.A. Poe bereits schilderte. Der Autor ist nicht belehrend (eher an unsere Adresse gerichtet; aber auch dabei nicht vorwurfsvoll, sondern hintergründig) und bringt doch oft einen Sachverhalt auf den Punkt: "Wie mich diese Frauen bewegen. Auf der einen Seite diese Stärke, diese unbedingt Bereitschaft, für ihre Kinder zu kämpfen. Auf der anderen dieser abgründige Idiotismus, mit dem sie sich vom Nächstbesten ruinieren lassen" (S. 143-144). Über den Inhalt dieser fünf Zeilen schreiben andere Autoren ganze Bücher.
Mir gefielen weiters seine häufigen Bezüge zur Literatur. Altmann ist ein Lesefan, was ihn gleich sympathisch macht. Doch dabei ist er gelegentlich schlampig. Der am 29. April 1863 in Alexandria geborene Lyriker Konstantinos Kavafis, starb 1933 nicht als Sechzigjähriger (S. 33). Der Spruch seines Griechischlehres, dass selbst die Götter vergeblich gegen die Dummheit kämpften, ist von Friedrich Schiller (Zitate Friedrich Schiller).
Da im Internet recht gegensätzliche Rezensionen über Altmanns Bücher kursieren, war ich auf seine Lesung in Wasserburg im März 2003 gespannt. Er las aus dem hier besprochenen Buch und es war hinreißend. Seine Schauspielausbildung zahlte sich zusätzlich zum guten Text aus.
Durch das Flickwerk von witzigen Anektoden und klugen Bemerkungen entsteht in Einmal rundherum ein Kaleidoskop der Dritten Welt. Manchmal amüsant, manchmal nachdenklich, aber nicht mehr. Empfehlenswerte Lektüre für Weltenbummler oder Leute, die sich für die Leute in der Welt aus fast erster Hand interessieren.
Über den Autor
Andreas Altmann, Reporter und Buchautor. Für die Reportage "Leben am Rande der Welt - Äthiopien ganz nah" erhielt er 1992 den begehrten Egon-Erwin-Kisch-Preis.
altmannWebsite des Autors Andreas Altmann
Nicht verwechseln mit dem Lyriker Andreas Altmann (* 1963 in Hainichen, Sachsen); Gewinner des Christine Lavant Lyrik-Preises 1997 der Stadt Wolfsberg.
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altmann Andreas AltmannAndreas Altmann: Einmal rundherum. Geschichten einer Weltreise. Reinbek: Rowohlt, 2002. Broschiert, 154 Seiten

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 8.2.2003