Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Tieck Eckbert
Ludwig Tieck: Der blonde Eckbert
S.145-179. In: Deutsche Dichtermärchen. Zürich: Manesse 1965. 777 Seiten – Tieck LiteraturTieck Links
Ludwig tieck Ludwig Tieck (31.5.1773 Berlin – 28.4.1853 Berlin) bereicherte mit Der blonde Eckbert einen seltenen Märchentypus. Es ist ein tragisches Märchen, das weder mit der Floskel "und sie lebten glücklich bis an ihr Ende" noch mit "und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch" endet. Im Gegenteil: bis auf die alte Zauberin sterben alle im Märchen. Dafür könnte Der blonde Eckert sehr gut mit "Es war einmal" beginnen. Ludwig Tieck

Auf einer Burg im Harz lebt einsam Ritter Eckbert mit seiner Frau Bertha. Trotz inniger Liebe ist die Ehe kinderlos. Sie werden nur gelegentlich von Philipp Walther besucht. Eines Nachts erzählt Bertha ihm ihre Lebensgeschichte. Sie läuft als kleines geschundenes Kind von zuhause weg, kommt zu einer skurillen Alten in einem einsamen Haus, die einen Hund und einen singenden Vogel hält. Nach Jahren reißt sie auch dort aus, nimmt Juwelen der Alten und den Vogel mit und läßt das Hündchen zurück (die Alte ist für Wochen verreist). Der Vogel singt wieder sein Lied über die Waldeinsamkeit (Waldeinsamkeit: wird zur Metapher der Romantik) mit verfremdeten Text. Bertha ist dies zuwider und schließlich erwürgt sie den Vogel. Endlich trifft sie ihren Eckbert und sie heiraten. Am Ende ihrer Erzählung nennt Walter so nebenbei den Namen des Hundes, der Bertha entfallen war. – Nach der nächtlichen Lebensbeichte erkrankt Bertha. Im Fieber plagt sie die Überlegung, woher Walther den Namen des Hundes kennt. Sie fiebert ihrem Tod entgegen. Dieser schlägt erst zu, als Eckbert den Ursprung des Leiden wohl Walther zuschreibt und diesen schließlich tötet. Verständlich, daß Eckbert jetzt in größter Einsamkeit und mit großen inneren Vorwürfen lebt. Endlich und zögerlich freundet er sich mit dem jungen Ritter Hugo an, dem er sein grausames Verbrechen beichtet. Seltsam die Reaktion: "Hugo war gerührt und suchte ihn zu trösten" (S. 175). Wieder verfällt Eckbert in schreckliche Gedanken, Vermutungen und Argwohn: er sieht in Hugo den ermordeten Freund (der Doppelgänger ist ein typisches Motiv der Romantik). Eckbert flüchtet zurück auf die Burg und versucht sich durch eine Reise zu befreien. Da endlich trifft er die gebückte Alte, die ihm einiges aufklärt. Sie selbst näherte sich Bertha und Eckbert in gestalt von Walther und Hugo. Bertha war nicht die Tochter des armen Hirten sondern eines Ritters, ja, die Halbschwester Eckberts.
Zwar ist die unvermeidliche Strafe auf schlimme Taten ein Aspekt des Märchens, doch bedeutend wichtiger werden in Der blonde Eckbert die Gewissensbisse der Täter präsentiert: es gibt zahllose wache Nächte, von Gedanken und Ängsten gepeinigt. Der Verfolgungswahn trifft einige Male Bertha und noch stärker Eckbert.
Bemerkenswert erscheint mir auch bei näherem Lesen, wie die liebe Rittersfrau Bertha, aber auch Eckbert, gelegentlich zum Tier werden: undankbar die alte Frau verlassen, keine Rücksicht auf den Hund nehmen, den Vogel herzhaft drückend erwürgen, den Freund Walter abknallen.
Erstaunlich ist die dichte Erzählung Tiecks, die zwar viele moralische Aspekte berührt, doch nicht den Zeigefinger hebt oder gar eine Richtschnur fürs eigene Handeln bereithält.
Der Aufbau in Der blonde Eckbert ist nicht wie in Volksmärchen streng chronologisch, sondern in Form einer Rahmenhandlung. Bertha erzählt auf der Burg am Kaminfeuer rückblickend ihre Geschichte, ähnlich wie es Sándor Márai in Die Glut konstruiert.
Links
Ludwig TieckDas Ludwig-Tieck-Repositorium
Ludwig TieckLudwig Tieck, 1773 - 1853, auf www.goethe.de
Ludwig TieckLudwig Tieck - Biografie
Ludwig TieckLudwig Tieck bei Gutenberg
Ludwig TieckDer blonde Eckbert, online bei Gutenberg
Tieck Sándor Márai: Die Glut
Literatur
Bei Amazon nachschauen   Bei Amazon nachschauen
Tieck Eckbert Ludwig Tieck: Der blonde Eckbert / Der Runenberg.  Hofenberg, 2015. Taschenbuch, 44 Seiten Tieck
Ludwig Tieck: Der blonde Eckbert / Der Runenberg.  CreateSpace Independent, 2014. Taschenbuch, 44 Seiten Eckbert
Tieck Eckbert Ludwig Tieck: Der blonde Eckbert / Der Runenberg. Stuttgart: Reclam, 1986. Tieck
Winfried Freund: Ludwig Tieck: Der blonde Eckbert. Lektüreschlüssel. Stuttgart: Reclam, 2005. Taschenbuch, 88 Seiten Eckbert
Tieck Eckbert Ludwig Tieck, Ingo Hülsmann (Mitarbeiter). Der blonde Eckbert. Die Elfen. Der Runenberg. 2 CDs. Naxos, 2001. Tieck
Arthur Häny, Hg.: Deutsche Dichtermärchen. Von Goethe bis Kafka. Zürich: Manesse, 1965. 777 Seiten Eckbert
Tieck Eckbert Claudia Stockinger, Stefan Scherer, Hg.: Ludwig Tieck: Leben - Werk - Wirkung. De Gruyter, 2016. Taschenbuch, 748 Seiten Tieck
Armin Gebhardt. Ludwig Tieck. Leben und Gesamtwerk des "Königs der Romantik". Tectum 2008. Taschenbuch, 354 Seiten Eckbert
Weitere Sekundärliteratur, derzeit (1/2003) vergriffen
Christa Bürger, Hg. Ludwig Tieck: Der blonde Eckbert / Die Elfen. Materialien zur romantischen Gesellschaftskritik. Frankfurt am Main, Diesterweg, 1994. 106 Seiten.
Tieck Anfang

Ludwig Tieck blonde Eckbert
Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 22.11.2016