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Gion Mathias Cavelty ad absurdum oder Eine Reise ins Buchlabyrinth
Gion Mathias Cavelty. ad absurdum oder Eine Reise ins Buchlabyrinth
Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1997. 107 Seiten
Ich kann es mir nur so vorstellen: ich habe das Buch nicht begriffen.
Der Ich-Erzähler will ein Buch schreiben. Doch zuvor bekommt davon die Presse Wind und veranstaltet einen Medienrummel. Immer neue Besucher, in kleinen Unterkapiteln stürmen auf den Autor ein. Hier fühlte ich mich stark an eine der skurrilen Science Fiction Stories von Robert Sheckley (Autor Robert Sheckley), ein Meister absurder SF-Geschichten, erinnert: "Die Wunschmaschine". Darin wird Protagonist Joe Collins ständig von freundlichen Helfern besucht. Erst am Ende wird ihm die Rechnung präsentiert, ersatzweise viele Jahre Arbeit im Steinbruch.
Ähnliche Clous fehlen bei Gion Mathias Cavelty. Die Erzählbühne wird gewechselt, da am Ende der 13. Geschichte das Buch weg war. Nun durchstreift der Möchte-gern-Autor mit zwei Polizisten absurde Welten auf der Suche nach dem Buch. Dabei geraten sie in ein Buchlabyrinth, was dem Autor Cavelty Gelegenheit gibt, literarisches name-dropping, bei Dante beginnend über Hölderlin zu Proust und Joyce, einzustreuen. Dann wird's tierisch (wörtlich zu nehmen), wohl, da Cavelty unbedingt noch Poe (Autor: Edgar Allan Poe) zitieren wollte: "»Nimmermehr!« krächzte ein Rabe" (S. 103). In einem stinkenden Zimmer mit Vogelkacke wird ein unscheinbares Büchlein gefunden. Mit "Ein außerordentliches Buch. Ich hätte große Lust, es zu lesen" (S. 107). Unklar ist, wie man ein unscheinbares, offensichtlich dem Ich-Erzähler unbekanntes Buch, auf Vogelkacke liegend, als außerordentlich einordnen kann und es gerne lesen würde.
Der 1974 in Chur geborene Autor lebt in Zürich und erhielt 1997 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Da für mich non-sense keinen Sinn ergibt (ist wohl eh klar, wie die Österreicher treffend sagen), sehe ich auch keinen Sinn darin, non-sense-Literatur zu lesen. Dabei gebe ich zu, daß die Lektüre von ad absurdum nicht quälend langweilig ist; zum Zeittotschlagen reicht's, ich habe aber das umgekehrte Problem, siehe Arno Schmidts Leseberechnung. Doch nach der Vogelkacke war ich froh, daß es beendet war. Vielleicht gebührt den Lesern ein Satz aus einem in ad absurdum vorgelesenen Buch: "Wenn du mich gelesen hast, bist du ein Arsch" (S. 90). Das will ich künftig vermeiden.
Ich bin unsicher, ob ich etwas begriffen habe oder ob es etwas zum Begreifen gibt. Ich empfehle Jorge Luis Borges: "Die Bibliothek von Babel", siehe Library of Babel – Bibliothek von Babel und alle oben in der Rezension genannten Autoren.
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Gion Mathias Cavelty Gion Mathias CaveltyGion Mathias Cavelty. Ad absurdum oder Eine Reise ins Buchlabyrinth. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1997. 107 Seiten.

Gion Mathias Cavelty ad absurdum oder Eine Reise ins Buchlabyrinth
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 6.12.2002