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Alexander Solschenizyn
Solschenizyn, Alexander: Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch
Wilhelm Löser, Theodor Friedrich, Ingeborg Hanelt, Eva-Maraia Kunde: Übs. München: DTV, 1974. 130 Seiten
Packend geschilderter Tag in einem sibirischen Lager aus der Sicht des Häftlings Iwan Denissowitsch Schuchow. Iwan ist 40 Jahre alt, seit acht Jahren wegen Landesverrats in verschiedenen Arbeitslagern. Aus seiner Sicht wird der Tag vom Wecken um fünf Uhr bis zum Einschlafen am Abend geschildert; manchmal flechtet der Erzähler kurze Rückblenden auf Schuchows weit entferntes Privatleben und seine vorherigen Lageraufenthalte ein. Der Alltag im Lager ist brutal, arbeitsreich, schikanös. Es ist bitter kalt. Die Häftlinge müssen kleinste Lücken im Reglement ausnutzen, um sich winzige Erleichterungen und Annehmlichkeiten zu verschaffen. Besonders Pakete von außen, die durch viele Hände gehen und dabei "gekürzt" werden, bringen Kalorien und Luxus auf niedrigster Stufe. Die Empfänger steigen in der Hierarchie der Lagerinsassen.
Man muß diese Erzählung unbedingt selbst lesen, doch ich gebe ein paar Einblicke.
Schuchow steht das Recht zu, in einem Jahr zwei Briefe zu schreiben (35). In einem früheren Lager war es 1942 "so weit gekommen, daß man die Hufe der krepierten Pferde abschabte, dieses Hornzeug in Wasser aufweichte und verschlang" (55). Wichtigste Botschaft: auch unter elendsten Bedingungen kann und muß man Mensch bleiben. Sowohl unter den Aufsehern als auch unter den Insassen gibt es sie. Am Ende eines für den Leser fürchterlichen Tages, meint Iwan Schuchow, daß für ihn ein guter Tag vorüber gegangen ist (127).
Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch ist autobiografisch. Daher eine kurze Biografie des Autors. * 11.12.1918 Kislowodsk; studierte Mathematik und Philosophie; Mathematiklehrer
Frühjahr 1945 wegen abfälliger Äußerungen über Stalin verhaftet und zu acht Jahren Lager verurteilt
1957 offizielle Rehabilitierung; arbeitet als Lehrer; nebenbei Schreibversuche und Sammlung von Lagererinnerungen
1962 mit ausdrücklicher Genehmigung des Partei- und Staatschefs Chruschtschow erscheint die Erzählung Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch zunächst in der Zeitschrift Nowy Mir, dann in großer Auflage als Buch, wurde zur politischen Sensation und war ein bedeutender Beitrag zur Bewältigung der stalinistischen Vergangenheit in der UdSSR. Doch seine Schilderung der Sowjetmisere und Kritik der herrschenden Verhältnisse bringt Solschenizyn erneut in Mißgunst.
1969 Ausschluss aus dem Schriftstellerverband
10. Dezember 1970 Literaturnobelpreis für Archipel Gulag. Die Sowjetunion hatte verhindert, daß Solschenizyn den Preis persönlich in Empfang nehmen konnte.
14.2.1974 verhaftet, ausgebürgert, nach Frankfurt am Main abgeschoben; lebte zunächst in Zürich;
seit 1976 in den USA. Er führte ein abgeschottetes Exilantendasein im US-Bundesstaat Vermont (oder im kanadischen Vermount ?)
1992 Rückkehr nach Rußland, seit 1994 in Moskau
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Alexander Solschenizyn Alexander SolschenizynAlexander Solschenizyn. Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch. München: Droemersche Knaur, 1999. Broschiert, 190 Seiten.

Alexander Solschenizyn
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 17.8.2002