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brussig thomas
Thomas Brussig. Wasserfarben
Berlin: Aufbau, 2001. Taschenbuch, 229 Seiten
Das hochgelobte Helden wie wir von Thomas Brussig hatte ich schon gelesen und es war für mich das schlechteste Buch der neunziger Jahre. Widerwillig gab ich dem Autor noch eine Chance. Und er nutzte sie. Wasserfarben erschien als Brussigs Romanerstling 1991 unter dem Pseudonym Cordt Berneburger, es schlägt das Folgewerk um Lichtjahre.
Stilistisch lehnte sich Brussig sicher an Salingers The Catcher in the Rye an. Und auch an Alexander Spoerls Memoiren eines mittelmäßigen Schülers erinnerte ich mich der Verlauf des Romans. Doch er ist witziger und konsequenter als die Memoiren, andrerseits planloser als der Catcher. Ich meine, Salinger hatte vorher ein Konzept, Brussig schrieb, wie es der Ich-Erzähler tatsächlich beschreibt, einfach drauf los. Obwohl die Szene mit der Gegenstimme (162 bis 165) sicher bewußt nach den Gedanken zu Galilei gesetzt ist. Mit Holden Caulfield pfeift Anton Glienicke auf die verlogenen Erwachsenen und auf jegliches Duckmäusertum. Er tröstet sich mit: "Alle, die je Gewalt über mich wollten, konnten noch nicht mal den nächsten Sommer verhindern" (5). Ebenso scharf und unbarmherzig wie Holden beobachtet Anton: "Bei diesen Nickelbrillen muß man immer saehr genau formulieren. Die ziehen sich an jeder Kleinigkeit hoch und wollen alles auf zwanzig Stellen hinterm Komma wissen" (179–180).
Verständlich ist mir, daß Brussig den lockeren Stil so abwechslungsreich in den Helden wie wir nicht mehr fortsetzen konnte. Schon die über 200 Seiten in HazweiO-Farben sind eine Wucht.
Hände weg von Helden wie wir, für das für mich Antons Überlegung galt: "Ich las nur deshalb weiter, weil ich wissen wollte, wie lange ich es aushalte, diesen Schwachsinn zu lesen" (133); dafür Wasserfarben lesen! Voraussetzung ist, daß man sich auf Brussigs lässige Tonart einstimmt und nicht nach einer Handlung giert.
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Thomas Brussig. Wasserfarben. Aufbau: Berlin, 2001. Taschenbuch, 229 Seitenbrussig thomas brussig thomas

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 12.3.2002