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Bernhard Schlink Walter Popp Selbs Justiz
  Bernhard Schlink, Walter Popp. Selbs Justiz. Zürich: Diogenes, 1987. 298 Seiten

Nach Der Vorleser von Bernhard Schlink – ein sehr empfehlenswertes Buch – las ich einen Krimi desselben Autors aus früheren Jahren, mit Unterstützung eines zweiten Autors, Walter Popp (für mich völlig unbekannt). Es ist ein Wirtschaftskrimi mit dem Thema Schlinks: wie gehen Leute mit ihrer Nazi-Vergangenheit um? Es ist ein gut geschriebener Roman, der sich angenehm liest. Schlink/Popp erzählen sprachgewandt, mit guten Vergleichen und glaubwürdigen Szenen. Im mittleren Teil gab es einen gewissen Durchhänger (symptomatisch sind sieben Fragen auf Seite 163; ein Krimi oder überhaupt ein Roman sollte den Leser zu eigenen Fragen anregen und nicht ihm mit dem Holzhammer die Fragen servieren; als abstossendstes Beispiel von Fragehäufung ist allerdings Thomas Brussigs Helden wie wir kaum überbietbar). Auch der Inhalt erscheint mir – trotz harter Kritik an der Verflechtung von Politik und Wirtschaft; die deutsche Praxis zeigt, daß Schlink/Popp darin nur zu recht haben – meist recht glaubwürdig. Selbs Justiz am Ende muß man wohl als irrealistischen Schluß werten. Ansonsten wäre diese folgenlose Selbstjustiz nur schwer nachvollziehbar.
Kritik habe ich daran, daß Schlink/Popp die Naziverstrickung des Ich-Erzählers und anderer gleichgültig hinnimmt. Zwar zeigt der Erzähler zum Kriegsende erstaunliche Selbstkritik – und damit auch zum zweiten Mal Selbs Justiz – doch scheint mir sein gleichgültiges Zusammentreffen mit Überlebenden seiner ersten Justiz (als er Staatsanwalt in Deutschland war) zu unreflektiert.
Trotzdem kann man das Buch als modernen Krimi mit etwas Tiefgang empfehlen.
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Selbs Justiz. Roman.Zürich: Diogenes, 1987. 298 Seiten

Bernhard Schlink Walter Popp Selbs Justiz
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 20.10.2001