Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Rammerstorfer
Bernhard Rammerstorfer: Ungebrochener Wille. Der außergewöhnliche Mut eines einfachen Mannes. Leopold Engleitner, geb. 1905
Heinz Fischer, Josef Pühringer, Walter Manoschek (Vorworte). Herzogsdorf: Rammerstorfer, 2008.
Gebunden, 448 Seiten – Bernhard LinksBernhard Literatur

Als Bewunderer des mutigen Kriegsdienstverweigerers Franz Jägerstätter (Bernhard Links) stieß ich auch auf die Lebensgeschichte des Zeugen Jehovas Leopold Entgleitner. Die beiden Lebensläufe sind grundverschieden, die Fälle gleichen sich in vielen Punkten. Drei wesentliche Unterschiede sind:
• Franz Jägerstätter musste sich gegen seine Kirche zur Verweigerung entscheiden
• Er musste gegen seine Kirche und hohen klerikalen Ratschlägen bei seiner Entscheidung bleiben
• Er wurde hingerichtet; Engleitner entkam mehrere Mal knapp dem Tode.
Leopold Engleitner fand dagegen Rückhalt gerade bei seiner Glaubensgemeinschaft, den Zeugen Jehovas, sowohl bei seiner Entscheidung, als auch später in den Lagern in die er und viele seiner Glaubensleute ("Bibelforscher") gesteckt wurde.
Beide, Franz Jägerstätter und Leopold Engleitner, verweigerten sich als einfache Menschen dem Unrechtsstaat und blamierten die Kirchenfürsten, von denen keiner für seinen Glauben ins KZ gehen musste.
Die Verstrickung der Kirchen mit den Nazis und die Gesinnungsgefolgschaft des Klerus ist bekannt. In der Schule wurden die Fragen des Poldi Engleitners vom Religionslehrer abgewürgt (S. 79). In einer feierlichen Erklärung stellten sich die Bischöfe Österreichs hinter Adolf Hitler und riefen zur Volksabstimmung für das Deutsche Reich auf (Kardinal Innitzer, Bischöfe Hefter, Waitz, Pawlikowski, Gföllner, evangelischer Oberkirchenrat Kauer; 18. März 1938; Kopien S. 128-129). Grotesk wird es im Leben Entgleitners als er und etwa 100 andere Häftlinge des Lagers Wewelsburg aus der Burg alte Schrift ausräumen müssen. Es sind Gerichtsakten vom Erzbischof von Paderborn aus der Inquisition. Die Spitze dieser Groteske: sie werden von den Nazis gequält und gefoltert, weil sie sich auf die Bibel berufen und sie aufmerksam lesen. Die Inquisition wandte die Folter an, weil einfache Leute die Bibel gelesen hatten (S. 239-240). Das Lesen der Bibel war über lange Zeit für einfache Katholiken verboten.
Engleitner litt nicht nur unter den Nazis, sondern schon zuvor. Er trat 1932 aus der katholischen Kirche aus und für ihn begann "eine Zeit massiver Intoleranz" (S. 340). Wie bei Jägerstätter hielt die Verfemung auch nach 1945 an. Bei Engleitner wandte sich die Einstellung erst 1999 nach der Veröffentlichung seiner Biografie (S. 340).
Man könnte meinen, die vielen Episoden, an die sich Engleitner genau erinnerte, würden ermüden. Keinesfalls; sie sind abwechslungsreich und erstaunlich.
Der Text wird durch Fotos und Bildern von Originaldokumenten aufgelockert.
Eine kleine Ungenauigkeit unterlief dem Autor, wohl aufgrund bundesrepublikanischer Propaganda. Er meinte, dass es in Deutschland schon vor 2003 zur pauschalen Rehabilitierung der Opfer der NS-Justiz gekommen wäre (S. 379). Das ist falsch. Der Deutsche Bundestag raffte sich erst im September 2009 (!) dazu auf,
Frühere Ausgaben erschienen unter den Titeln: Nein statt Ja und Amen: Leopold Engleitner: 100 Jahre ungebrochener Wille und "Nein statt Ja und Amen". Leopold Engleitner: Er ging einen anderen Weg.
Ein zutiefst bewegendes Schicksal und Buch. Es sollte dazu beitragen, dass immer noch bestehende Vorurteile gegenüber die Zeugen Jehovas – die einzige Gruppe, die in der NS-Zeit den Dienst mit der Waffe konsequent ablehnte – abgebaut werden.
Links
RammerstorferUngebrochener Wille
RammerstorferLeopold Engleitner (Wikipedia)
RammerstorferBernhard Rammerstorfer, Autor, Filmproduzent
Rammerstorfer"Lebenslange Zwangsarbeit in der Landwirtschaft" - Buch- und Filmpräsentation
RammerstorferZeugen Jehovas im Nationalsozialismus (Wikipedia)
RammerstorferAndreas Maislinger, Historiker
RammerstorferFranz Jägerstätter und Leopold Engleitner
RammerstorferHans Hesse, mit zahlreichen Forschungspublikationen
RammerstorferBuchenwald Gedenkstätte – begegnung mit Leopold Engleitner
RammerstorferReinhard Moos: "Die Rehabilitierung von Kriegsdienstverweigerern am Beispiel der Zeugen Jehovas"
Rammerstorfer Franz Jägerstätter
Rammerstorfer Widerstand im Dritten Reich
Rammerstorfer "Nie mehr Krieg ohne uns"
Literatur
Rolf Steininger: Vergessene Opfer des Nationalsozialismus. Innsbruck: Studien, 2000. Taschenbuch, 134 Seiten
Engleitner RammerstorferBernhard Rammerstorfer: Ungebrochener Wille. Der außergewöhnliche Mut eines einfachen Mannes. Leopold Engleitner, geb. 1905. Heinz Fischer, Josef Pühringer, Walter Manoschek (Vorworte). Herzogsdorf: Rammerstorfer, 2008. Gebunden, 448 Seiten Engleitner
100 Jahre ungebrochener Wille. Nein statt Ja und Amen. 2 DVDs. Produktion: Bernhard Rammerstorfer Rammerstorfer
Bei Amazon nachschauen   Bei Amazon nachschauen
Engleitner RammerstorferBernhard Rammerstorfer: Unbroken Will: The Extraordinary Courage of an Ordinary Man. Grammaton 2006. Taschenbuch, 332 Seiten Engleitner
Bernhard Rammerstorfer: Unbroken Will: The Extraordinary Courage of an Ordinary Man. Grammaton 2004. Gebunden, 236 Seiten Rammerstorfer
Zeugen RammerstorferGerhard Besier, Clemens Vollnhals, Hg.: Repression und Selbstbehauptung: Die Zeugen Jehovas unter der NS- und der SED-Diktatur. Berlin: Duncker & Humblot, 2003. Zeitgeschichtliche Forschungen 21. Taschenbuch, 421 Seiten Garbe
Detlef Garbe: Zwischen Widerstand und Martyrium: Die Zeugen Jehovas im 'Dritten Reich'. München: Oldenbourg, 1998. Taschenbuch, 605 Seiten Rammerstorfer
Uran Vinzenz Jobst: Anton Uran - verfolgt - vergessen - hingerichtet. Klagenfurt: Archiv der Kaerntner Arbeiterbewegung, 1997. Gebunden, 87 Seiten.
Bestellbar über Archiv der Kaerntner Arbeiterbewegung
Lannerstrasse 6, A-9020 Klagenfurt / Austria
Rammerstorfer Anfang

Rammerstorfer
Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 24.9.2009