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Stefanie Schröder: Im Bann des Blauen Reiters. Das Leben der Gabriele Münter
Freiburg: Herder, 1998. Broschiert, 224 Seiten. 2. Aufl. – Münter Literatur
Gabriele Münters Bilder zieren manche Frontseite eines Buches. Ihre flächig gesetzen Farben, oft mit starken Konturen, eignen sich für plakative Effekte. Mehr als zehn Jahre lang war sie Lebensgefährtin von Wassily Kandinsky, der sie entdeckte und förderte. 1911 gründet Kandinsky mit Gabriele Münter und Franz Marc die Künstlervereinigung "Der Blaue Reiter", August Macke und Paul Klee schließen sich an, Alexej von Jawlensky steht dem Kreis nahe. Zusammen mit Ödon von Horváth (er wird in der Romanbiografie Münters nur kurz erwähnt) machten Kandinsky und Gabriele Münter den Staffelsee und Murnau berühmt.
Das Leben der Gabriele Münter verläuft recht erfolgreich mit zwei wichtigen Ausnahmen:
  1. Zu Lebzeiten wurde ihre künstlerische Arbeit nicht ausreichend gewürdigt. Sie stand im Schatten der männlichen Kollegen.
  2. Wassily Kandinsky entdeckt und fördert sie zwar, doch ihre jahrzehntelange Beziehung wird von ihm nicht durch die Eheschließung sanktioniert. Im Gegenteil: zunächst zögert er die Scheidung von seiner ersten Frau Anja hinaus, dann heiratet er in Moskau erneut und hält auch danach die Münter im Dunklen.
Beides kommt in der Romanbiografie gut heraus. Über die Rivaliäten unter den Künstlern erfährt der Leser einiges. Das Leben der Münter verläuft ereignisreich mit idyllischen Phasen in Murnau und im bayrischen Voralpenland. Die Lebenszeit von 1877 bis 1962 bringt enorme Turbulenzen. Leider nutzt Stefanie Schröder dieses Material nur ungenügend.
Stil
Zahlreiche Zeitsprünge erschweren die Lektüre. Die anfängliche Hoffnung, das würde sich einpendeln und irgendwann wird Münters Leben erzählt, erfüllt sich erst im letzten Viertel, so ab Seite 150. Ein Beispiel für den oszillierenden Verlauf ist der Anfang des Kapitels 12:
Berlin, April 1908 – Rückblende auf Köln, Januar – Berlin 1878 – Berlin, September 1907 – Berlin, erstes Lebensjahr (das Geburtsjahr der Münter erfuhr ich nur durch Rückrechnung; vom Geburtsdatum war nie die Rede; oder überlas ich es? Auf S. 16 wird vermerkt, dass 1899 ihr 22. Geburtstag war) – 1902 – 1907 – 1906. Jetzt sind vom Beginn des Kapitels 12 noch keine zwei ganze Seiten gelesen!
Zu den Hin- und Hersprünge kommt (zumindest anfangs) ein häufiger, nicht einsichtiger Wechsel der Tempi. Die zahlreichen Sätze ohne Prädikat, oft nur Aufzählungen, würde man für sich verschmerzen, hier kommen sie erschwerend hinzu.
Die Kapitel beginnen meist mit einem Detail, das Aufmerksamkeit weckt. Wieder beispielhaft Kapitel 12: "Ein frischer kühler Morgen in Berlin" (S. 54). Dann wird abgeschweift und das Detail entpuppt sich als unwichtig und reine Verzierung.
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Hinweise
  • Die Jahre 1931 bis 1936 fehlen völlig!?
  • Zu überprüfen wäre, ob die sehr günstige Darstellung der Gabriele Münter in der vorliegenden Romanbiografie von anderen Autoren geteilt wird.
  • Alexej von Jawlensky verbringt den Sommer 1906 in Wasserburg am Inn (muenter Literarisches zu Wasserburg am Inn und Umgebung). Die farbigen Abbildungen "Waldlandschaft – Wasserburg am Inn", 1905/06 und "Wasserburg am Inn, Stadtmitte" findet man in Wasserburger Ansichten aus vier Jahrhunderten (muenter Literatur).
Zusammenfassung
Etwa ab Beginn des 1. Weltkriegs 1914 (S. 149) wird der Leser für mühsame Seiten zuvor entschädigt. Das reicht nicht um diese Romanbiografie zu empfehlen. Es gibt andere Werke, die sich mit der Gabriele Münter beschäftigen (muenter Literatur), doch kenne ich diese nicht.
Hier ist die Autorin ungenau
Der bekannte Aussichtsberg bei Kochel ist der Herzogstand (nicht: Herzogenstand, S. 11).
Else Lasker-Schüler war mit dem Arzt Dr. Jonathan Berthold Barnett Lasker verheiratet. Dieser wird in der Familie Lasker und in der Literatur Berthold Lasker genannt (nicht Jonathan, S. 137). Er war der ältere Bruder des deutschen, langjährigen Schachweltmeisters und Philosophen Emanuel Lasker. Berthold Lasker war selbst ein starker Schachspieler. Die folgende Endspielstudie zeigt den Sieg des Geistes über die Materie: Weiß: Ke6, Dg6, Lf7, f5; Schwarz: Kh8, Tf8, Lg5; c2, f6, h6. Weiß am Zug gewinnt (Quelle: Dr. Werner Lauterbach: Das unsterbliche Spiel. Einführung in das Schach und seine Welt. Band I. 4. überarbeitete Aufl. Düsseldorf 1957). Berthold Lasker spielte beim Turnier in Berlin 1890. In den zwei Partien mit seinem Bruder Emanuel verlor er mit Weiß und spielte mit Schwarz remis.
Gabriele Münter, 19.2.1877 Berlin – 19.5.1962 Murnau am Staffelsee;
bedeutende Malerin des Blauen Reiters; langjährige Lebensgefährtin von Wassily Kandinsky
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Literatur
Johannes Eichner: Kandinsky und Gabriele Münter. Von Ursprüngen moderner Kunst. München: Bruckmann, 1957. 221 Seiten
Galerie im Ganserhaus, Arbeitskreis 68, u.a. Hg.: Wasserburger Ansichten aus vier Jahrhunderten. Die Innstadt in bildnerischen Zeugnissen. Galerie im Ganserhaus, 2. August - 28. September 1980. Wasserburg am Inn: Arbeitskreis 68, 1980. 198 Seiten
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Schroeder muenterStefanie Schröder: Im Bann des Blauen Reiters. Freiburg: Herder, 1996. Broschiert muenter
Stefanie Schröder: Im Bann des Blauen Reiters. Freiburg: Herder, 1999. Broschiert, 224 Seiten, 3. Aufl. muenter
Friedel muenter Helmut Friedel, Annegret Hoberg: Das Münter-Haus in Murnau. Prestel 2000. Broschiert, 72 Seiten muenter
Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Annegret Hoberg: Wassily Kandinsky und Gabriele Münter in Murnau und Kochel 1902-1914. Prestel 2000. Broschiert muenter
Kleine muenter Gisela Kleine: Gabriele Münter und Wassily Kandinsky. Frankfurt: Insel, 1994. Broschiert Hoberg
Annegret Hoberg, Helmut Friedel: Gabriele Münter. Prestel 2003. Gebunden, 144 Seiten muenter
Kutschbach muenterDoris Kutschbach: Der Blaue Reiter. Prestel 1996. Gebunden, 32 Seiten Pfleger
Susanne Pfleger: Kandinsky und Gabriele Münter. Prestel 2001. Gebunden muenter
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