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Hillary Rodham Clinton: Living History
New York: Simon & Schuster, 2003. Gebunden, 562 Seiten – LinksLiteraturZitate
Hillary Rodham Clinton muß eine bemerkenswerte Persönlichkeit sein: sie ist am 26. Oktober 1947 geboren, exakt vier Jahre nach mir.
Living History sind Hillary Clintons Memoiren, die nur selten (Kindheit, Lewinsky-Affäre) persönlich werden. Sie behandelt – manchmal protokollartig – ihre Aktivitäten an der Seite des Gouverneurs und Präsidenten Bill Clinton. Da sie viele eigene Initiativen entwickelt hat, dreht sich nicht alles um Bill. Gelegentlich blitzt Humor und tiefe Einsicht auf. Gelegentlich gelingen der Autorin bewegende Szenen.
"After Christmas, Bill drove up from Hot Springs to Park Ridge to spend a few days with my family. Both my parents had met him the previous summer, but I was nervous because my dad was so uninhibited in his criticism of my boyfriends. I wondered what he would say to a southern Democrat with Elvis sideburns." S. 56-57
Diese bewegenden Szenen wirken aber meist aufgestetzt. So wie ich es aus meinen Besuchen in den USA gewohnt bin: alle reden von ihren Gefühlen und ihre persönlichen Probleme; meist aber oberflächlich und sentimental. Beispielsweise als Steve Wonder ihr am Klavier etwas vorspielt:
"I kept moving my chair closer to him as he played." Foto # 63
Die politischen oder gar persönlichen Ansichten drohen freilich in den Reisebeschreibungen und Auflistungen der Persönlichkeiten zu verschwinden. Hier was Humorvolles zur Benachteiligung der Frau.
"It was another example of a phenomenon I call »the talking dog syndrome.« Some people are still amazed that any woman ... can hold her own under pressure and be articulate and knowledgeable. The dog can talk!" S. 95
Und etwas Ernsthaftes zur Abtreibungsdiskussion.
"When I defend my pro-choice position in the debate over abortion in our country, I frequently refer to Romania, where pregnancy could be monitored on behalf of the state, and to China, where it could be forcibly terminated. One reason I continue to oppose efforts to criminalize abortion is that I do not believe any government should have the power to dictate, through law or police action, a woman's most personal decisions" S. 354-355
Später versichert Mrs Clinton glaubhaft, daß sie diese Einstellung auch gegenüber der Abtreibungsgegnerin Mutter Teresa vertritt.
clinton Meist "bedient" Hillary, wenn sie persönlich wird, die US-Leserschaft. So teilt sie uns nach der ersten erfolgreichen Präsidentschaftswahl mit: "Bill and I went into our bedroom, closed the door and prayed together for God's help ..." (S. 117). Das wirkt dann für deutsche Leser aufgesetzt: "Bill and Chelsea are enthusiastic shoppers, gift wrappers and tree decorators." Das nimmt man ihr ab, trifft es wohl auf fast alle US-Amerikaner zu. Sie fährt fort: "I love watching them trim our tree together, pausing to reminisce abot the origin of each ornament" (S. 205). Das erinnert etwas kitschig an die Trapp-Familie.
clinton Zu oft wiederholt Hillary, daß sie für ein möglichst normales Leben ihrer Tochter Chelsea sorgen wollen (z. B. S. 339-340). Doch kurz darauf laden sie einen Bus voll ihrer Freunde zum Wochenende auf Camp David ein (S. 340). Das spricht nicht gegen die Absicht der Eltern, sondern eher dafür, daß es als US-Präsidententochter unmöglich ist eine normale Kindheit und Jugend zu verbringen. Bei ihrer Ankunft in Stanford passen 200 Journalisten auf geeignete Fotomomente (S. 420). Dabei fiel mir auf, daß viele Eltern ihre "Kinder" zum Universitätscampus begleiten.
clinton Nur zu selten gewinnt man mehr als oberflächliche Einblicke in die Arbeitsweise des Gespanns Hillary - Bill, so bei der Ausarbeitung eines Rede (S. 116); noch seltener erfährt man was über die Privatpersonen Bill und Hillary.
clinton Staatsanwalt Kenneth Starr kommt schon ab der ersten Erwähnung schlecht weg ("misuse of the criminal process", S. 334). Ab da wird gnadenlos auf ihn eingehauen: ein wilder, ungesetzlicher Verfolger (S. 346-47, 406 u.a.)
clinton Für ihren Sommerurlaub bevorzugen die Clintons mehrmals Jackson Hole, Wyoming. Ich kann nur beipflichten und als Anregungen einen Blick auf Jackson Lake geben.
clinton In einer Rezension der zu meiner Lesezeit erschienenen Biografie Bills heißt es:
An jeder Biegung seines Weges tauchen ein knorriger Sheriff oder ein glutäugiger Professor auf, die eine Lehre für ihn parat haben und bald zu den wichtigsten Menschen seines Lebens gehören werden. Clinton sammelt an seinem Weg so viele wichtigste Menschen, dass man ganze Städte mit ihnen füllen könnte oder viele Regierungsämter, die er dann später als Präsident ja auch tatsächlich mit ihnen füllen wird.
Robin Detje zu: Bill Clinton: My Life. Alfred A. Knopf, New York 2004, SZ 29.6.2004, S. 32
Das trifft ebenso auf Living History zu. Diese Listen der Berühmtheiten und Fast-Berühmtheiten (viele davon werden später echte Freunde; die Clintons müssen Hunderte echte Freunde haben) kann man getrost überspringen.
clinton Die Affäre mit Monica Lewinsky ("an inappropriate intimacy", S. 466) behandelt die Autorin erstaunlich souverän: sie blendet vieles aus. Ihr Verhalten zu Bill wird überzeugend festgehalten. Sie wälzt keinesfalls alles auf Kenneth Starr ab (war nach ihrer "Vorarbeit" im Buch zu befürchten), sondern die Krise der Clintons ist ernst; echt US-amerikanisch wird regelmäßig der Eheberater aufgesucht (S. 473).
clinton Neben den vielen Bekannten werden besonders diejenigen lobend erwähnt, die pro Bill Clinton in ihrer eigenen Autobiografie schreiben (so Sid Blumenthal: "fascinating", Dale Bumpers: "marvelous", S. 493).
Zusammenfassung
Die Lektüre erfordert einen gewieften Landstreckenleser. Einiges Wissenswertes und Bewegendes ist zwischen den zahlreichen Reise- und Leuteaufzählungen versteckt. Trotzdem: lohnend.
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Clinton   clintonHillary Rodham Clinton: Living History. Headline, 2004. Broschiert. Clinton
Hillary Rodham Clinton: Living History. Simon & Schuster, 2003. Gebunden, 562 Seiten clinton
clinton   clinton Hillary Rodham Clinton: Gelebte Geschichte. Ullstein, 2004. Broschiert, 672 Seiten clinton
Hillary Rodham Clinton: Gelebte Geschichte. Econ, 2003. Gebunden, 669 Seiten clinton
Clinton clintonBill Clinton: My Life. Alfred A. Knopf, 2004. Gebunden, 957 Seiten  
Links
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clintonThe "Unofficial" Hillary Rodham Clinton, mit allen Links, die man braucht
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clintonDeutscher Medienpreis 2004 an Hillary Clinton
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