Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Mary Rowlandson
Mary Rowlandson: Narrative of the Captivity and Restoration of Mrs. Mary Rowlandson
[Mary White Rowlandson]. Online-Version – LinksLiteratur
Zu den allerfrühesten Texten der Einwanderer in Nordamerika gehören die Gefangenenbeschreibungen, captivity narrative, wie der von Mary Rowlandson aus dem Jahre 1682.
Die Ich-Erzählerin Mary Rowlandson beschreibt den Überfall der Indianer auf die puritanische Siedlung Lancaster, Mass., im Februar 1675. Die Stämme der Indianer nennt sie eher beiläufig als Narragansett und Sagamore, dafür ist Mary Rowlandson sehr erfinderisch, die Ureinwohner mit immer neuen Schimpfworten zu kennzeichnen: "murderous wretches", "bloody heathen", "merciless heathen", "hell-hounds", "ravenous beasts", "barbarous creatures", usw. Der aufmerksame Leser stellt fest, daß Mary im Laufe des Berichts zahmer wird.
Mary Rowlandson wird von den Indianern verschleppt und weiß nicht, ob sie getötet oder gemartert werden soll. Nach acht Tagen in Gefangenschaft stirbt ihr sechsjähriges Kind. Sie wird wie eine Sklavin gehalten, erhält aber eine Bibel, die ein Indianer als Beutegut mitbringt und ihr überlässt. In der Bibel liest die gottesfürchtige bis bigotte Puritanerin oft. Widerfahren ihr Schlechtigkeiten, so sind es die brutalen Wilden, beim kleinsten Lichtblick preist sie Gott für seine Güte und findet prompt eine passende Stelle in der Bibel. Allenfalls beruft sie sich noch auf: "I put to death and I bring to life, I have wounded and I will heal, and no one can deliver out of my hand" (Deut. 32,39) ["Ich kann töten und lebendig machen, ich kann schlagen, und kann heilen, und ist niemand, der aus meiner Hand errette", 5 Mos.32,39]. Inmitten der für sie barbarischen Verhältnisse findet sie Halt an den Psalmen und Propheten: "My bible; which was my guide by day, and my pillow by night" (The Thirteenth Remove). Wenn ich mich richtig entsinne, liest sie ausschließlich aus dem Alten Testament. So nennt sie auch den Grund ihrer Aufzeichnung: um die Wohltaten des Herrn zu preisen, der auch in den widrigsten Umständen für die Seinen sorgt (The Eighth Remove). Im einleitenden Kapitel beruft sich Mary auch auf Hiob: "And I only am escaped alone to tell you" (Hiob 1,15; 17; 19). Das meinte später Ishmael in Moby Dick (melville Herman Melville Moby Dick) ebenso.
Die Indianer ziehen nomadenhaft umher. Mir blieb unklar, ob dies traditionell geschah oder um den weißen Truppen auszuweichen. Während dieser Umzüge kommt Mary gelegentlich in kurzen Kontakt zu Familienangehörigen. Sie besuchen auch King Philip, den Häuptling Metacomet vom Stamm Wampanoag. Nach 11 Wochen und 5 Tagen wird sie von den Siedlern für 20 Pfund frei gekauft.
Mary ändert zweimal ihre Ansichten und zeigt trotz allem Puritanismus Lernfähigkeit:
  1. Sie wollte sich bei einem Indianerüberfall eher erschlagen als gefangen nehmen lassen. Durch die glänzenden Waffen ließ sie sich aber einschüchtern und ihre Ansicht wechselt (wohl eher unüberlegt).
  2. Mary änderte auch ihre Meinung zum Leben in ihrer (eh schon puritanischen [im Doppelsinn]) Gemeinde: "I have seen the extreme vanity of this world: One hour I have been in health, and wealthy, wanting nothing. But the next hour in sickness and wounds, and death, having nothing but sorrow and affliction" ( The Twentieth Remove ).
Mary steht den Indianer völlig fremd gegenüber. Im Laufe der Zeit wird sie aber zumindest in ihren Bezeichnungen für die Ureinwohner sanfter. Bei ihrer Freilassung geht sie sogar ihrer eigenen zivilisierten Lebensweise in Distanz: "So little do we prize common mercies when we have them to the full" (The Nineteenth Remove ). Sie zeigt dem Leser neben den überwältigenden Bezügen des Lebens zur Bibel (spirituelle Ermahnung) das Leben der Wilden (ethnische Einzelheiten) und die Möglichkeit durch Handel und Verhandlung (wirtschaftliche Aspekte) das Überleben auch in widriger Umgebung zu gewährleisten.

Rowlandsons Bericht kam 1682 unter einem ellenlangen Titel heraus (in Nordamerika und Englad verschiedene Titel) und wurde ein sehr populäres Buch mit zahlreichen Auflagen. Es begründete die Tradition der captivity narratives.
"Von diesen Texten [captivity narrative] auf den inneren Zustand der puritanischen Kultur zu extrapolieren ist verkürzend, weil in ihnen naturgemäß die Erfahrungen jener Menschen ausgeblendet sind, die von indianischen Gruppen verschleppt und adoptiert wurden und dann freiwillig bei ihnen blieben". Helmbrecht, Breinig, Hubert Zapf, Hg. Amerikanische Literaturgeschichte. Stuttgart: Metzler, 1996. S. 15
Die Niederschrift war für eine Frau in puritanischer Umgebung mutig.
"In the Puritan culture, which repressed women's public speaking and writingt, the decision to publish her account was almost as exceptional as the experience itself."
Paul Lauter: The Heath Anthology of American Literature Vol.1, Houghton Mifflin, 2001. S. 342
Links
blablaProject Gutenberg: The Narrative of the Captivity and Restoration of Mrs. Mary Rowlandson
blablaThe Project Gutenberg Etext of "Captivity and Restoration"
blablaEarly American and Colonial Literature to 1700
blablaMary Rowlandson Study Questions
blablaThomas V. Mc Govern: Autobiographies: Diverse Lives and Critiques
rowlandson Anfang
Bei Amazon nachschauen   Bei Amazon nachschauen
Rowlandson   blablaMary White Rowlandson: The Sovereignty and Goodness of God: Together with the Faithfulness of His Promises Displayed: Being a Narrative of the Captivity and Restoration of Mary Rowlandson. Bedford 1997. Neal Salisbury, Hg. Taschenbuch, 184 Seiten Rowlandson
Mary Rowlandson, u.a. Wendy Martin, Hg.: Colonial American Travel Narratives. Penguin 1994. Taschenbuch, 384 Seiten Mary Rowlandson - Sarah Kemble Knight - William Byrd II - Dr Alexander Hamiltonblabla

Mary Rowlandson
Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 16.5.2004