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Rostenberg, Stern
Leona G. Rostenberg, Madeleine B. Stern: Bookends: Two Women, One Enduring Friendship
[Zwei Freundinnen, eine Leidenschaft]. New York: Free Press, 2001. Gebunden, 246 Seiten
Ein Jahrhundert (zweimal fünfzig Jahre) Handel mit antiquarischen Büchern, das mußte ich lesen.
Leona G. Rostenberg, *1908, und Madeleine B. Stern, * 1912, holen in ihrem autobiografischen Buch weit aus. Ein Faible der US Amerikaner, wie um ihre Anwesenheit in Nordamerika zu rechtfertigen, gehen sie bis zu den europäischen Großeltern (und weiter) zurück. Doch dann sind beide da und der Leser verfolgt ihre Jugend mit etlichen zufälligen Begegnungen.
Zwei Umstände faszinierten mich dabei besonders: das Leben in der jüdischen Gemeinde, das zunächst nur wenig Bezug zum übrigen Amerika hat; und die Suche nach dem Lebensweg der beiden Mädchen. Einerseits merken sie früh, daß zwei große Nachteile zu überwinden sind: weiblich und jüdisch; andrerseits lernen sie, daß man die eigenen Stärken pflegen und nicht entgegen allen Anlagen Muse oder Sport strapazieren darf. Sie werden von den jeweiligen Müttern gut unterstützt. Leonas Vater rät dem klavierübenden Kind: "Madeleine, if you really love music, you would stop playing" (S. 52). Mit wunderbarem Ton berichten Leona und Madeleine abwechselnd über diese suchenden Jahre. Bezeichnend dazu das Kapitel: "The Men We Did Not Marry". Durch den nie versiegenden Einwandererstrom erfährt der amerikanische Osten von den sich zusammenbrauenden Gefahren in Europa, insbesondere Deutschland. Schon im Januar 1933 warnt ein weitsichtiger Professor im Kurs, den Leona besucht: "Today President Hindenburg appointed Adolf Hitler Chancellor of Germany. The world will never be the same" (S. 73).
Leider geht es erst ab Kapitel 5 so richtig mit dem Antiquitätenhandel an. Da scheint das Vorgängerbuch Old Books, Rare Friends mehr zu bieten. Ich wußte vor dem Erscheinen der deutschen Übersetzung nicht, daß beide schon mehrere Bücher verfasst haben, ja, ich kannte die beiden engagierten Antiquare nicht. Der Nachteil des Geschlechts wog in der Antiquariatsbranche noch mehr. Als sie so ab 1950 begannen, war der Beruf dominiert von Männern. Sie arbeiten sich gut ein und erobern sich Respekt und einen breiten Kundenstamm. Der ständige Wechsel, den sie miterleben, gipfelt in Online-Buchversteigerungen. Sie schildern das seltsame Verhalten mancher Bieter, bei denen vor dem Bildschirm der Jagdtrieb durchbricht (S. 194). Das habe ich auch schon erlebt. Ganz gewöhnliche Kant-Ausgaben, von mir als gebraucht (unterstrichene und markierte Passagen) gekennzeichnet, erzielten Preise über dem aktuellen Neupreis. Die beiden inzwischen über neunzig Jahre alten Buchliebhaberinnen sehen es gelassen.
"And even as we two join the multitudes who click for information on a screen, we shall continue to turn to the books we love and to believe that the Age of the Book is everlasting" (S. 196)
Amüsant und bereichernd. Ich hätte mir mehr über ihren Beruf erwartet, was aber wohl schon in Old Books, Rare Friends geschildert wurde.
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Rostenberg, Stern Rostenberg, Stern Leona G. Rostenberg, Madeleine B. Stern: Bookends: Two Women, One Enduring Friendship. New York: Free Press, 2001. Gebunden, 246 Seiten Rostenberg, Stern
Leona G. Rostenberg, Madeleine B. Stern: Zwei Freundinnen, eine Leidenschaft. Hoffmann & Campe, 2004. Gebunden, 304 Seiten Rostenberg, Stern

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